Politik : Was macht die Welt?

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Kanzler Schröder ersetzt Verteidigungsminister Scharping durch den Parteisoldaten Struck. Nützt das auch dem Budget und der Bedeutung der Bundeswehr?

Die Frage ist staatstragend, aber falsch. Der Sinn der Operation war es, einen Mann los zu werden, der viel mehr teure Anzüge besitzt als Schröder, der bekanntlich nur den einen Brioni sein Eigen nennt. Außerdem muss es Schröder gewurmt haben, nie mit einem Stahlhelm abgebildet worden zu sein, mit dem Scharping Kampfes- und Mannesmut zu demonstrieren pflegte. Ein

dritter Grund war Scharpings einschläfernde Stimme, die regelmäßig das halbe Kabinett in yogahafte Trance versetzt hat, so dass die Minister dann nicht mehr ihrem Kanzler gelauscht haben. Gut für die Bundeswehr ist nur, dass Struck ein allseits anerkannter Parteiloyalist ist, dessen Reputation auch der Armee zugute kommen wird. Mehr Geld? Never! Da steht der Stabilitätspakt davor.

Spanien hat eine kleine Armada losgeschickt, um Marokko von der Petersilieninsel zu vertreiben. Warum ist der unbewohnte Felsbrocken so wichtig?

Alle Felsbrocken, die einem gehören, aber von anderen besetzt werden, sind wichtig. Zum Beispiel die Falklands (obwohl das schon richtige Inseln sind), die Margaret Thatcher 1982 von den Soldaten der argentinischen Galtieri-Diktatur befreit hat. Oder Gibraltar, jener Felsen, wo die Spanier sich das gleiche Recht herausnehmen wollen, das sie den Marokkanern gewaltsam verweigern. Die Briten sagen zu Recht „Nein", weil die Bevölkerung weiter englischen Tee und nicht spanischen Rioja trinken will. Das Deutsche Reich ist anno 1890 eleganter vorgegangen: Um Helgoland, einen eher insignifikanten Felsen, zu bekommen, hat Wilhelm II. den Engländern Sansibar geschenkt.

Die Amerikaner stellen das gemeinsame Atlantik-Flotten-Kommando in Frage. Braucht die Nato es nicht mehr?

Die richtige Frage wäre: Braucht Amerika die Nato nicht mehr? Offensichtlich sehen die USA keine strategische Bedrohung mehr im Nordatlantik, auf jenem Seeweg, von dem aus sie drei Mal im 20. Jahrhundert eine strategische Bedrohung erwartet haben: vom Kaiserreich, vom Hitlerreich und von der Sowjetunion. Ein kurzsichtiges Kalkül, wenn man bedenkt, dass die Sicherung dieser Angriffsroute seit zwei Jahrhunderten Amerikas strategische Priorität Nr. 1 gewesen ist – seitdem die Briten im Krieg von 1812 Washington niedergebrannt hatten. Wo bleibt der geschichtsbewusste Henry Kissinger, wenn man ihn wirklich braucht?

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik…

Deutsche Soldaten stehen zur Zeit in Bosnien, im Kosovo, in Mazedonien, in Afghanistan. Und dümpeln vor der somalischen Küste. Von Afrika bis Asien – wie eine richtige Weltmacht. Da ist es gut zu wissen, dass der Rausschmiss eines Verteidigungsministers keine Wirkung hat. Und gut zu hören, dass der Neue, Peter Struck, gleich die Kontinuität zelebrierte, indem er noch am Tage seiner Ernennung Truppenbesuche bei all den Jungs (und Mädchen) ankündigte. Gut für die Moral, gut für die Verlässlichkeit.

Josef Joffe ist Herausgeber und Chefredakteur der „Zeit“. Fragen: cvm

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