Politik : Was macht die Welt?

Diplomatische Altmeister, das Gute und Stehaufmännchen

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Vier Fragen an Josef Joffe

Wer ist international isolierter beim Thema Irak-Krieg – Deutschland oder die USA?

Deutschland mehr als es denkt, und Amerika weniger als die Kampa es sich wünscht. Man werfe einen Blick nach Paris. Anders als Schröder glaubt Chirac nicht, dass man die USA am besten durch tägliche Querschüsse beeinflusst. Also unterstreicht man dort die Gemeinsamkeiten mit den USA und spielt die Zweifel herunter. Warum? Zum einen freuen sich die Franzosen, dass diesmal die Deutschen ins transatlantische Feuer geraten. Zum Zweiten behalten sie ihre nationalen Interessen im Auge, zumal ihre Ölgeschäfte im Irak. Ergo, so ein hochrangiger anonymer Beamter: „Wir halten alle Optionen offen.“ Will sagen: Kommt es wirklich zum Krieg, wird Frankreich irgendwie dabei sein, um bei der Nachkriegsordnung ein Wörtchen mitreden zu können. Schade, dass ein diplomatischer Altmeister wie Talleyrand kein Deutscher war.

Der größte UN-Kongress geht in Johannesburg in seine zweite Phase, das so genannte Ministersegment. Würde „Was macht die Welt?“ zum Gipfel fahren, wenn es Minister wäre?

Selbstverständlich, denn es tritt stets für das Gute wie Umweltschutz und Entwicklung ein. Die Reise enthielte auch kein Risiko, weil solche Massentreffs nie die harten Probleme angehen, dafür aber umso mehr hehre Rhetorik (und photo opportunities) produzieren. Die harten Probleme? Nicht nur die Amis müssten ihren Kohlendioxid-Ausstoß reduzieren, sondern auch Brutalo-Industrialisierer wie China und Indien. Der Westen müsste nicht nur mehr Entwicklungshilfe versprechen, sondern den Drittweltländern dezent beibringen, dass Entwicklung einen Rechtsstaat und einen freien Markt braucht. Dann müsste der Westen auch den seinen für Agrar- und Lowtech-Güter öffnen, wo die Dritte Welt Vorteile hat. Aber derlei geschieht auf solchen Jamborees nicht, und deshalb muss niemand fürchten, schmerzhafte Entscheidungen treffen zu müssen.

Die FPÖ-Vorsitzende Riess-Passer will am Dienstag die Vertrauensfrage stellen. Ist Jörg Haiders politische Karriere damit zu Ende?

Haider will sich jetzt zwar „endgültig aus allen Aktivitäten aus der Bundespartei zurückziehen“. Aber Rechtspopulisten (siehe auch Möllemann) sind die geborenen Stehaufmännchen. Da sie keine Prinzipien haben, fällt ihnen stets etwas Neues ein, auch das Gegenteil vom dem, was gestern Gesetz war. Überdies: Der Kärntner ist aus einem härteren Holz geschnitzt als Riess-Passer oder sein deutscher Epigone Schill.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik…

Welches brillantes Kalkül (jenseits transparenter Wahlkampfmanöver) mag hinter Schröders täglichen Breitseiten gegen die USA liegen? Um sie vom Krieg gegen den Irak abzuhalten? Dann tut man das leise, mit sorgenvoll-freundschaftlicher Miene. Will er die Deutschen aus dem Krieg heraushalten? Dann sagt man: „Ja, aber…UN-Mandat…alle diplomatischen Mittel ausschöpfen…die Inspektoren…die Weltwirtschaftslage…" Und was einem sonst noch so einfällt, wenn man weder mitmachen noch einen guten Freund verlieren will.

Josef Joffe ist Herausgeber und Chefredakteur der „Zeit“. Fragen clw

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