Politik : Was macht die Welt?

Schröders Kasuistik, Haiders Eitelkeit und Joschkas Schweigen

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Vier Fragen an Josef Joffe

Al Qaida schlägt in Afrika (und Asien) zu, nicht im Westen. Weil Amerika, Europa und Israel zu wachsam sind?

So ist es, jedenfalls vorläufig. Der Terror hat seine Fronten von New York in die Dritte Welt verlegt, weil Anschläge in Amerika sehr professionell eingefädelt werden müssen. Ähnliches trifft für Israel zu, wo auf jeden Terrorakt eine erkleckliche Zahl von vereitelten kommt. Der Grund ist einfach. Der Staat ist schwach in Ländern wie Kenia; außerdem wollten klassische TouristenLänder die Kundschaft nicht durch auffällige Sicherheitsmaßnahmen verschrecken. Besonders intelligent ist Nairobi auch nicht. Sofort hieß es: Der Angriff galt ja Israel. Übersetzt: Liebe Terroristen, Ihr dürft bei uns weiter bomben, solange Ihr hier bloß Juden oder andere „Ungläubige" trefft. Das wird die Tourismus-Einnahmen nicht erhöhen.

Den Spürpanzer Fuchs würde Schröder Israel liefern, beim Transportpanzer Fuchs zögert er, weil der nicht der Selbstverteidigung diene. Darf er Nein sagen?

Das hängt davon ab, ob die Regierung Israel ein Selbstschutzrecht zugestehen oder neunmalkluge Unterscheidungen ziehen will. Also: Israel kriegt Hilfe gegen irakische Giftgas-Raketen, und deshalb die „Patriots" von uns. Aber keine „Füchse“, die bewegliche Verteidigung gegen den Terror erlauben. Hmm. Das ist, als sagte man einem Freund: Wenn Du unter mörderischem Beschuss schön still hältst, stehen wir Dir bei, aber leider müssen wir uns absetzen, wenn Du Deinen Todfeind verfolgen oder ihn in seiner Höhle aufspüren willst. Die Israelis dürfen dankbar dafür sein, auf solche Freunde nicht wirklich angewiesen zu sein.

Mit Jörg Haider begann der Aufstieg des Rechtspopulismus. Sind seine und Möllemanns Niederlagen der Anfang des Niedergangs?

Ja, denn diese politischen Genies können nur das Ressentiment bedienen. Aber sie haben weder eine schlüssige Theorie, die die Welt erklärt, noch ein Rezept, das sie verändern kann. Es spricht auch für die politische Reife der gebrannten Österreicher und Reichsdeutschen, dass sie den Haidermännern nicht wirklich auf den Leim kriechen. Sie haben erkannt, dass deren Eitelkeit und Zerstörungslust größer ist als ihr halbwegs ernsthaftes Bemühen, für die quälenden Probleme unserer Gemeinwesen auch nur halbwegs ernsthafte Antworten zu liefern.

Ein Wort zum deutschen Außenminister…

Wir hören so wenig von unserem Bundesjoschka in dieser schwierigen Zeit. Dabei dürstet es uns nach Antworten zu: Amerika, Irak, Terrorkrieg, „Füchse", Türkei… Und noch mehr lechzen wir nach Antworten vom ungekrönten König der Grünen zum Thema „Inneres“. Da die Sozen offensichtlich unfähig sind, dieses Land zu bewegen, bleiben doch nur noch die Grünen, die sich während der Selbstzerstörung der FDP anschicken, die „dritte Partei" zu werden. „Was macht die Welt?" würde erwägen, demnächst Grün zu wählen, wenn diese Partei nicht nur die weichen, sondern auch die harten Themen bedienen würde (Arbeitsmarkt, Lohnnebenkosten, Entstaatlichung der Wirtschaft). Vielleicht könnte J. so auch Kanzler werden.

Josef Joffe ist Herausgeber und Chefredakteur der „Zeit“. Fragen cvm

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