Politik : Was macht die Welt?

Der Wein der Frösche, politische Anschläge und kluge Verrückte

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Vier Fragen an Josef Joffe

Amerika droht Frankreich wegen des Widerstands gegen den IrakKrieg mit Sanktionen. Wie können die aussehen?

Die wichtigste Sanktion kennen wir schon: die linguistische. French Fries wurden in Freedom Fries umbenannt, so wie im Ersten Weltkrieg Sauerkraut in Liberty Cabbage. Richtig gemein wäre es, die Freiheitsstatue, ein Geschenk Frankreichs, zurückzuschicken, aber damit würden sich die Amerikaner eines Wahrzeichens sowie eines Touristenmagneten berauben. Wirtschaftssanktionen funktionieren wegen des Ping-Pong- Effektes nicht: Stoppst du meine Weine, wehre ich deine Filme ab. Doch läuft es in der Diplomatie sowieso anders. Die Amerikaner warten, bis die „Frösche“ irgendetwas wirklich brauchen – um dann mit aufrichtigem Augenaufschlag und einem „Leider, leider, es geht nicht" die Rechnung zu begleichen, damit Paris den Preis für Kooperationsverweigerung kennen lernt.

Jassir Arafat hat im Machtkampf um die palästinensische Regierung nachgeben müssen. Hat er sein Machtmonopol damit verloren?

Noch nicht. Das neue Kabinett von Ministerpräsident Abu Masen könnte zu zwei Dritteln bis zu drei Vierteln aus Arafat-Loyalisten bestehen. Der Premier kontrolliert zwar die wichtigste Geheimpolizei („Preventive Security Organization“), aber Arafat wird alle anderen – fünf oder sechs - beherrschen. Schließlich weigert sich Arafat, die Terrortruppe seiner Fatah-Bewegung, die Al-Aqsa Märtyrer-Brigade, aufzulösen. Auf deren Konto geht der Anschlag vom Donnerstag in Kfar Saba. Dies war ein klares Signal an Abu Masen, seine Verständigungsbereitschaft nicht zu übertreiben.

Warum kümmert sich Bush überhaupt um Nordkorea: Weil dessen Waffen eine Gefahr für Amerika sind oder spielt er nur Weltpolizei?

Was für eine Frage! Die nordkoreanischen Freunde haben gerade behauptet, die Atombombe schon zu besitzen. Wenn Pjöngjang Atommacht bleibt, wird das Konsequenzen für den Rest der Region haben. Dann kocht die Atomwaffenfrage in Japan, in Südkorea, vielleicht sogar in Taiwan hoch. Das wäre die Proliferation unter höchst labilen Bedingungen. Außerdem: Nordkorea erpresst den Rest der Welt schon jetzt mit seiner gewaltigen konventionellen Streitmacht, mit der Bombe in der Hand könnte Jong-Il („verrückt, aber nicht blöd“) die Einsätze verzehnfachen. Deshalb ist Pjöngjang ein Problem für George W. – und den Rest der Welt.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik …

Unser Kanzler hat derzeit mit Dringlicherem zu tun: abstürzende Steuereinnahmen, reduzierte Wachstumsprognosen (0,3 Prozent), Aufstand der Gewerkschaften und der SPD-„Zwölferbande“, die ihm den Sonderparteitag am 1. Juni aufgezwungen hat. Er muss neue Schulden machen und den Stabilitätspakt endgültig brechen, also die Strafe aus Brüssel abwehren. Da lässt es sich schlecht Weltpolitik machen. Merke: Deutschlands Stärke in der Welt hing immer von seinem Bruttosozialprodukt ab. P.S. „Was macht die Welt?“ würde gern wieder über Fischer reden, aber der zeigt sich nicht.

Josef Joffe ist Herausgeber und Chefredakteur der „Zeit“. Fragen cvm

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