Politik : Was macht die Welt?

Bushisten, Saudis und der Stärkste auf dem Schulhof

-

Vier Fragen an Josef Joffe

Tagelang hat Colin Powell in Europa für die neue IrakResolution geworben. Hat Bush eingesehen, dass er nicht immer an den UN vorbei kann?

Umgekehrt wird eher ein Schuh draus. Unser Kanzler, der während des Powell-Besuches für die Aufhebung der UN-Irak-Sanktionen plädiert hat, wird erkannt haben, dass Deutschland nicht ewig mit schlechten Beziehungen zu den USA leben kann. Es entbehrte auch nicht einer gewissen Absurdität, Sanktionen gegen ein Land aufrecht zu erhalten, deren Hauptgrund – das Saddam-Regime – nicht mehr existiert. Jetzt den Irak weiter quälen, nur um den Amis eins auszuwischen? Merke: Nur gegen etwas zu opponieren, weil es Made in U.S.A. ist, dürfte keine besonders kreative Außenpolitik sein. Erst recht nicht, wenn die Kraft fehlt, die Bushisten wirklich zu konterkarieren.

Anschläge in Tschetschenien, Saudi-Arabien, Entführungen in Algerien und jetzt 41 Tote in Marokko: Wie mächtig ist das islamistische Terrornetz?

Richtig ist, dass der islamistische Terror existiert. Ob er Macht hat, ist eine andere Frage. Mächtig wäre er nur, wenn die angegriffenen Staaten sich unterwürfen. Tatsächlich wird mit jeder Ausweitung des Terrors klarer, dass er eine Bedrohung für die gesamte Staatenwelt darstellt und deshalb eine gemeinsame Antwort erfordert. Selbst die Saudis, die sonst nicht besonders mutig sind, haben erkannt, dass Wegducken nicht hilft. Die Staaten mögen zwar alle verschiedene (und nicht immer edle) Interessen verfolgen, aber sie wissen, dass der Terror sie alle im Kern bedroht, und das ist ihr Monopol über die legitime Gewalt.

Israels Regierungschef Scharon blockiert bisher den Friedens-Fahrplan. Jetzt traf er Palästinas neuen Premier Abu Masen und reist dann nach Amerika.Was muss Präsident Bush ihm sagen?

Hauptsächlich: Do ut des, was auf lateinisch in etwa heißt: Gebe, damit Dir gegeben wird. Abu Masen ist die weitgehende Erfüllung eines Herzenswunsches von Ariel Scharon: die Entmachtung von Jassir Arafat, eines Mannes, der sich seit 40 Jahren nicht entscheiden kann, ob er Krieg oder Frieden, ernsthafte Verhandlungen mit Israel oder dessen Verschwinden will. Abu Masen scheint ein feineres Gespür für die Realitäten zu haben. Und deshalb ist es im Interesse Israels wie Amerikas, diesem Mann zu helfen, solange er auf dem Friedenspfad bleibt.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik …

Für Schröder kann es keine Freude sein, dass Powell in Berlin mit Joschka F. turtelt, derweil in Amerika George W. dem Roland Koch die Aufwartung macht. Es ist traurig, aber wahr: Auch in der Außenpolitik gilt die alte Schulhofweisheit, wonach man sich nicht mit dem Stärksten in der Klasse anlegen sollte, es sei denn, man hätte einen noch größeren Bruder. Der deutsche Kanzler hat aber bloß Chirac und Putin. Schröder muss ja mit Bush nicht in die Sauna gehen, aber vielleicht fährt er zum Shopping nach New York, wo doch jetzt der Dollar so billig ist. Dort könnte Henry Kissinger einen Lunch in seiner Wohnung am East River organisieren, und wie es der Zufall so will, stößt Bush-Vize Cheney dazu.

Josef Joffe ist Herausgeber und Chefredakteur der „Zeit“. Fragen: cvm

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben