Politik : Was macht die Welt?

Spinnweben, politische Fuchsjagd und der Krisenmonat August

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Vier Fragen an Josef Joffe

Die Waffenruhe im Nahen Osten hält. Warum baut Israel dennoch weiter am Zaun?

Waffenruhen in Nahost sind so stabil wie ein Spinnwebennetz, gute Zäune machen gute Nachbarn, und weder die Israelis noch die Palästinenser wollen vorläufig miteinander zu tun haben. Trennung, wie in einer schlechten Ehe, kann manchmal gar zur Ernüchterung und Wiederannäherung führen. Mithin: Das Problem ist nicht der Zaun. Sondern, dass er Tatsachen schafft, also einseitig gezogen wird – zum Teil jenseits der so genannten Grünen Linie, die identisch ist mit den Grenzen vor dem SechsTage-Krieg 1967. Wer dergestalt dem Verhandlungsprozess vorgreift, erhöht nicht das Vertrauen der anderen Seite. Dito: der just verkündete Ausbau einer Gaza-Siedlung.

Präsident Bush entschuldigt sich für Übertreibungen der Irak-Gefahr, Tony Blair bleibt bei seiner Haltung. Wer steht am Ende besser da?

Die Erfahrung lehrt, dass eine kleine Entschuldigung (es geht nur um die angeblichen Urankäufe in Niger) zur rechten Zeit langfristig besser funktioniert als das sture Beharren. Wer zugibt, dass er sich geirrt hat, zeigt a) Größe und b) Weisheit, nimmt er doch so den Druck von sich weg. Bleibt Blair hart, wird er die vielen Hunde, die ihn zurzeit hetzen, nur ermuntern. Seine Gegner kämpfen zwar unablässig für die Abschaffung der Fuchsjagd, aber dem Füchslein Blair wird diese Gnade nicht zuteil.

Der Papst nennt die politische Beteiligung an der Anerkennung homosexueller Paare unsittlich. Wird das Abgeordnete von Amerika über Deutschland bis Asien davon abhalten?

Keines der drei genannten Länder hat eine katholische Mehrheit (Ausnahme in Asien: die Philippinen). Deshalb dürfte der strikt politische Nutzwert der päpstlichen Einlassung begrenzt sein. Doch wird sie all die in ihrer Überzeugung stärken, die schon immer gegen die Homosexuellen-Ehe waren. Immerhin ist Johannes Paul II. kein Dorf-Pfaffe, sondern der Pontifex Maximus, das Oberhaupt der Una Sancta mit rund einer Milliarde Mitgliedern. Aber die Sache geht über die katholische („allumfassende“) Kirche hinaus. Alle strenggläubigen Christen, Juden und Muslime werden sich auf die Seite des Papstes schlagen, weil das Alte Testament diverse einschlägige Stellen vorweist, die eine solche Ehe verbieten.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik ...

Weder Joschka F. noch die deutsche Außenpolitik findet zurzeit statt – Sommerpause, keine Probleme (scheinbar), keine Patzer. Aber freuen wir uns nicht zu früh. Der August ist ein Horrormonat, schon seit antiken Zeiten. Caligula, der sein Pferd zum Consul machte, wurde im August geboren. Hannibal vernichtete die römische Armee bei Cannae im August. Im 20. Jahrhundert? Der erste und zweite Weltkrieg brachen im August aus (WK II nicht erst am 1. 9., sondern am Tag zuvor, als Hitler als Polen verkleidete Deutsche den deutschen Sender Gleiwitz angreifen ließ, um einen Grund zum „Zurückschießen“ zu konstruieren). Die DDR baute die Berliner Mauer, Saddam griff sich Kuweit im August, 1993 putschten sie gegen Jelzin im August. Währungskrisen, Revolten und Krieg brechen deshalb so gern im August aus, weil dies ein Ferienmonat ist, heiß obendrein, wo die Leute nicht arbeiten und auf dumme Gedanken kommen.

Josef Joffe ist Herausgeber und Chefredakteur der „Zeit“. Fragen cvm

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