Politik : Was macht die Welt?

Treue Japaner, schwimmende Retter, unbeugsame Sanktionierer

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Vier Fragen an Josef Joffe

Japans Premier Koizumi besucht Deutschland. Was können wir von dem Rezessionsland lernen – zu tun und zu lassen?

Von Japan, in den Achtzigern noch dem (wirtschaftlichen) Schrecken der westlichen Welt, kann man vor allem lernen, dass die Stagnation irgendwann aufhört, egal was die Regierungen tun. Bloß hielt dort der Niedergang (gewürzt von drei Rezessionen) dreizehn Jahre lang an, inzwischen wächst die Wirtschaft um 2,3 Prozent. So lange wäre doch ein bisschen viel für Deutschland. Überdies hängen die Japaner an ihren alten Fehlern. Sie bleiben exportwütig und kümmern sich nicht um die Binnennachfrage. Die Märkte bleiben überreguliert, und kaputte Unternehmen, vorweg die Banken, dürfen nicht sterben. So wird verhindert, dass Kapital in produktive Sektoren umgelenkt wird. Von Japan lernen? Lieber nicht.

Der Westen soll helfen: auf dem Balkan, in Afghanistan, im Irak, in Afrika. Wie weit reicht der militärische Aktionsradius einer Mittelmacht wie Deutschland?

Na ja, cirka 1942 reichte er bis Moskau und Kairo. Es hängt also davon ab, ob man will – oder genauer: ob man muss, weil der Führer es so befiehlt. Die Frage ist aber die entscheidende nicht nur für D, sondern für alle Demokratien. Es gibt in der Welt so viel Unbill und Böses, doch sind die Ressourcen schmerzhaft begrenzt. Das Gute konkurriert also immer mit dem Schnöden: Welches Risiko um welchen Preis und im Dienste welcher Interessen? Wie dieses Dilemma knacken? So wie im Zivilleben: Ich bin verpflichtet, den Ertrinkenden zu retten, wenn ich a) schwimmen und b) den eigenen Tod vermeiden kann.

15 Jahre nach dem Flugzeuganschlag von Lockerbie zahlt Gaddafi Entschädigung an die Familien der Opfer und fallen die Sanktionen gegen Libyen. Ist Resozialisierung der richtige Umgang mit ExTerroristen?

„Resozialisierung“ ist nicht das richtige Wort, eher „tätige Reue“. Denn der libysche Despot muss zehn Millionen Dollar pro Mordopfer bezahlen, und er hat schon seit einiger Zeit seine alten Lieblingshobbies zurückgefahren: Alimentierung des Terrors von Nordirland bis Nahost, Coups und Subversion in Nachbarländern, den Griff nach Massenvernichtungswaffen. Zu danken ist dies der Entschlossenheit der Amerikaner und Briten, die unbeugsam an der Sanktionspolitik festgehalten haben, inklusive gelegentlicher militärischer Schläge. Sie hatten Recht. Gaddafi mag zwar verrückt sein, aber er ist nicht blöd. Und deshalb erziehbar. Aber vielleicht wird er nur älter, damit weniger anfällig für Abenteuer.

Ein Wort zum deutschen Außenminister…

„Was macht die Welt?“ wird langsam ungeduldig. Über Joschka F. lässt sich so wenig sagen, weil er selber so wenig sagt. Jetzt will er sogar den Kanzler alles sagen lassen, weil er nicht traditionsgemäß die deutsche Rede bei der Eröffnung der UN-Generalversammlung halten will. Die Sache wird immer verdächtiger, war doch Fischer stets sehr mitteilsam. Ist es eine neue Herzensdame, die seinen Redefluss zurückstaut? Das wäre mit geziemendem Nachdruck zu tadeln. Wir brauchen unseren Joschka wieder .

Josef Joffe ist Herausgeber und Chefredakteur der „Zeit“. Fragen cvm

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