Politik : Was macht die Welt?

Fischers Lebensplan, Koreas Spaltungsplan, Berliner Speiseplan

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Vier Fragen an Josef Joffe

Joschka Fischer will nicht europäischer Außenminister werden. Wer hat den Schaden: Brüssel oder Berlin?

Eigentlich wollte Fischer schon, und zwar im Sinne seiner bisherigen Lebensplanung, die in etwa besagt: alle acht Jahre mal was Neues machen. Da die Gleichung „ein Leben, ein Job“ immer weniger gilt, und „von daher“, wie es auf Neudeutsch heißt, Flexibilität gefragt ist, begrüßt „Was macht die Welt“ solche lobenswerten Wünsche. Bloß scheint diese schreckliche Demokratie dem grünen Außenminister einen Strich durch die Rechnung gemacht zu haben. Die beiden großen Blöcke im EuroParlament – Sozen und Christ-Konservative – haben sich darauf geeinigt, dass einer der Ihren den Job des Euro-Außenministers bekommen soll. Folglich: kein Grüner, folglich kein Joschka. Da Fischer den Job in der deutschen Provinz ganz gut macht, hält sich der Schaden für Berlin in Grenzen.

Zwei-plus-vier Gespräche zu Nordkoreas Atomprogramm: Wie haltbar ist die Koalition der Rivalen USA, China, Russland, Japan mit den beiden Koreas?

Es geht nicht um beide Koreas; die Koalition konzentriert sich auf das Bizarro-Regime von Nordkorea. Dabei ist festzuhalten, dass allein deren Zustandekommen ein großer Erfolg ist, haben doch China und Russland jahrelang so getan, als wenn nordkoreanische Atomwaffen bloß ein Problem der Amerikaner wären. Nun fällt es Kim Jong Il schon mal schwerer, die Großen des pazifischen Raumes gegeneinander auszuspielen. Freilich: Gewirkt hat die neue Konstellation noch nicht. Während der SechsStaaten-Gespräche in Peking hat Pjöngjang wieder die alten Tricks aufgelegt, drohte es doch ganz offen damit, das Land offiziell zur Atommacht zu erklären. Ein übles Spiel, aber immerhin spielen jetzt alle Großmächte auf der richtigen Seite.

Der Irak entgleitet Amerikas Kontrolle. Welche Verbündeten brauchen die USA dort dringender: europäische oder muslimische Truppen?

Am dringendsten brauchen die USA amerikanische Truppen, denn nur diese haben die Schlag- und Abschreckungskraft, um die Dschihadisten zu ernüchtern. Europäische und muslimische Truppen sind aber aus anderem Grund vonnöten: als Legitimitätsausweis. Ansonsten möge man den Irak nicht mit Vietnam vergleichen. Damals hatte Hanoi zwei atomare Großmächte – Sowjetrussland und China – an seiner Seite. Die lieferten die Waffen und boten das Abschreckungsmoment auf, das Nordvietnam vor der geballten Wut der USA schützte. Die „Gotteskämpfer“ im Irak haben noch nicht einmal Iran auf ihrer Seite – die Schiiten und Kurden im Lande selbst auch nicht.

Ein Wort zum deutschen Außenminister…

Dieser will nun Hand in Hand mit Schröder zum dritten Wahlsieg (2006) schreiten, was angesichts des Zustandes der Union so absurd nicht ist. Er wird aber auch gemerkt haben (dies als zweite Antwort auf die erste Frage), dass man als Außenminister eines strategisch platzierten 80-MillionenLandes mehr beschicken kann denn als Diener einer 25-Staaten-EU. Außerdem kann man in Berlin jetzt fast genau so gut essen wie in Brüssel, und billiger allemal.

Josef Joffe ist Herausgeber und Chefredakteur der „Zeit“. Fragen cvm

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