Politik : Was macht die Welt?

Chirac ist kein Deutscher und Vater Bush mag seinen Sohn doch

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Vier Fragen an Josef Joffe

Der deutsche Bundeskanzler ließ sich beim EUGipfel in Brüssel von Frankreichs Präsident vertreten. Ein Modell für die Zukunft – oder wird Gerhard Schröder so zum Pudel von Jacques Chirac?

Ein bisschen viel Fraternité; jedenfalls muss „Was macht die Welt?“ aus nahe liegenden Verfassungsgründen mit geziemendem Ernst gegen derlei Outsourcing protestieren. Auf EU-Gipfeln werden schwer wiegende Entscheidungen getroffen, verschoben oder zerredet. Korrekterweise will der Staatsbürger seinen gewählten Vertreter mit derlei Aufgaben betreuen, nicht einen ausländischen Politiker, der in der Verantwortung eines anderen Wahlvolks steht. Dies ist keine Frage des Passes; auch Frau Schröder-Köpf, weil ungewählt, wäre der falsche Vertreter des Kanzlers. Der Verfasser dieser Zeilen hat M. Chirac nicht gewählt; er wünscht sich bei so gravierenden Staatsangelegenheiten einen Vertreter, der von den Wählern legitimiert worden ist.

Der UN-Sicherheitsrat hat eine neue Irak-Resolution verabschiedet. Bekommen die USA nun Unterstützung durch Geld und fremde Truppen, auch muslimische?

Wer die sauertöpfischen Erklärungen der Herren Chirac und Schröder gehört hat, weiß, dass die Amerikaner keinen Cent mehr von Deutschland, geschweige denn Frankreich bekommen werden – und schon gar keine Truppen. Arabische Truppen? Möglich, weil die nahöstlichen Potentaten ein Interesse daran haben könnten, im Irak präsent zu sein – und wenn auch nur, um nachrichtendienstlich auf dem Laufenden zu sein. Dennoch ist die Resolution die erste gute Nachricht für die Amerikaner, denen das Siegen doch etwas leichter gefallen ist als das Befrieden. Der Kern der guten Nachricht: Alle 15 Sicherheitsrats-Mitglieder signalisieren, dass sie nicht wirklich ein Interesse daran haben, die Amerikaner scheitern zu sehen. Das wäre in der Tat ein Desaster für alle, auch für Amerikas Rivalen.

Bush Senior hat den diesjährigen „George Bush Award“ an den demokratischen Senator Edward Kennedy vergeben, einem Kriegsgegner. Eine Botschaft vom Vater an den Sohn?

Hmm. „Was macht die Welt?“ glaubt nicht, dass der Bush-Clan so zerrissen wäre, dass der Herr Papa dem Herrn Sohn einen Tritt in die Weichteile verpassen will. Denken wir doch nur an „Dallas“ – Familienehre und -zusammenhalt über alles, und erst recht gegenüber einem „Yankee“ (Nordstaatler) wie Kennedy. Ted Kennedy ist ja ein wenig in die Jahre gekommen; vielleicht wollte der eine alte Herr bloß einen anderen alten Herren ehren. Oder: Bush Senior bereitet ein Asylgesuch an den Staat Massachussetts vor, wo T.K. beheimatet ist.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik …

Vielleicht ist die Berlin-Paris-Verbrüderung gar nicht gegen Amerika, sondern gegen das Saarland (hübsch eingezwängt zwischen beiden Ländern) gerichtet – genauer: gegen Oskar Lafontaine, der mit der Kandidatur spielt. In diesem Fall wäre es eine löbliche Allianz. Lafontaine ist besser in „Bild“ und Talkshows aufgehoben; dort kann er gegen Schröders Reformen plaudern, sie aber nicht torpedieren.

Josef Joffe ist Herausgeber und Chefredakteur der „Zeit“. Fragen: clw

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