Politik : Was macht die Welt?

Quälgeister, Frauenhelden und hungrige Krieger

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Vier Fragen an Josef Joffe

Die Opposition nominiert Horst Köhler als Bundespräsidenten – wodurch Deutschland den IWFVorsitz verliert. Ein guter Tausch?

Das darf man nicht so eng sehen. Hauptsache, dieses Land hat überhaupt einen neuen Präsidenten. Wenn man bedenkt, wie viele Monate lang Wolfgang Schäuble mitsamt der Nation gequält wurde, wenn man weiterhin bedenkt, dass noch längst nicht alle 40 Millionen Deutsche über 40 auf ihre Präsidenteneignung überprüft worden sind, war doch das Risiko sehr hoch, dass es bis zum 23. Mai keinen verbindlichen Kandidaten geben würde. Folglich war es zuvörderst im Interesse der Nation, dass es überhaupt einen solchen gab. Dagegen ist der Vorsitz im Weltwährungsfonds Peanuts. Außerdem steht einem weiteren Deutschen im Washington nichts im Wege, hat doch der erste, nämlich Köhler, seine Amtsperiode noch nicht ausgefüllt. Vielleicht sollte der Bundeskanzler Guido Westerwelle vorschlagen, was auch nicht schlecht für die FDP wäre.

John F. Kerry tritt gegen George W. Bush an. Ein neuer JFK, auch für Europa?

Kein tröstlicher Vergleich. Kennedy war ein Frauenheld der ersten Ordnung; heute wünschen wir uns nicht nur in Amerika einen Mann, der ehepolitisch ein strahlendes Vorbild ist. Zweitens vergisst man hier häufig und gern, dass Demokraten nicht unbedingt die besseren Menschen sind. Adenauer konnte den Kennedy nicht ausstehen, weil der Moskau andauernd in der Berlin-Frage unangenehme Konzessionen anbot. Was Helmut Schmidt über den Demokraten Jimmy Carter (1977-81) denkt, darf man in feinen Kreisen gar nicht wiederholen. Dagegen waren die Beziehungen zu den Republikanern Nixon und Bush Senior (Wiedervereinigung!) ziemlich gut. Merke: Der entscheidende Unterschied herrscht nicht zwischen Demokrat und Republikaner, sondern zwischen einer Supermacht und einer schwächelnden Mittelmacht.

In China tritt der Volkskongress, das fast machtlose Parlament, zusammen. Ein leeres Ritual, oder bahnen sich Veränderungen an?

„WmdW“ weiß nur eines: Auf besagtem Volkskongress hat der Finanzminister eine Erhöhung des Wehretats um fast zwölf Prozent angekündigt; das sind fünf Prozentpunkte mehr als das Gesamtwachstum des Haushaltes. Das ist nicht unbedingt eine vertrauensbildende Maßnahme in Ostasien, zumal die Chinesen ohnehin 2,5 Millionen Mann unter Waffen haben. Man wird genau hingucken müssen, wohin das Geld geht – in die Offensivrüstung oder in bessere Ernährung für die Soldaten.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik …

Im Vergleich zu Chinas Wehretat ist die deutsche Bundespräsidentenkür eine vertrauensbildende Maßnahme vom Feinsten. Da hat das bürgerliche Lager, das womöglich schon vor 2006 den Kanzler oder die Kanzlerin stellen wird, eine Show inszeniert, die wir sonst nur aus Bananenrepubliken kennen – wiewohl dort bei solchen Anlässen meistens scharf geschossen wird. Vor diesem Deutschland, ob von Schröder, Merkel oder sonst wem geführt, muss der Rest der Welt keine Angst haben.

Josef Joffe ist Herausgeber und Chefredakteur der „Zeit“. Fragen cvm

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