Politik : Was macht die Welt?

Keinen Deal mit Terroristen und einen Deal ohne Arafat

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Vier Fragen an Josef Joffe

Europas Regierungen lehnen Osama bin Ladens Angebot, sie vom Terror zu verschonen, wenn sie sich aus muslimischen Ländern heraushalten, empört ab. Werden sie das durchhalten?

Man darf zumindest vermuten, dass die Westeuropäer seit den 70er Jahren, als der arabische Terrorismus hier ausbrach (siehe Münchner Olympia-Massaker von 1972), versucht haben, ihre separaten Deals zu machen. Nach der Devise: Ihr lasst uns in Ruhe, und wir gucken nicht so genau hin, wenn ihr unser Land als Rückzugsgebiet oder Außenposten benutzt. Zum Beispiel Italien, das den „Achille-Lauro“-Killer Machmud Abbas laufen ließ. Diese Deals sind immer wieder geplatzt, weil man mit dem Terrorismus keine Deals einhalten kann. Denn es wird immer eine noch radikalere Gruppe geben, die Abmachungen zerstört, um sich so als der wahre Sachwalter der Revolution/des göttlichen Auftrags zu präsentieren. „Was macht die Welt“ glaubt nicht, dass Appeasement sich durchsetzt. Man muss nur nach Spanien blicken, um zu merken, dass es nicht funktiomiert. Obwohl der neue spanische Premier Zapatero auf anti-amerikanischen Kurs gegangen ist, bleibt Al Qaida weiter in „al Andaluz“ aktiv. Das war bis 1492 arabischer Besitz, der laut Al Qaida zurückerobert werden muss.

Außenminister Fischer sieht in Israels einseitigem Rückzug aus dem Gazastreifen eine positive Dynamik, viele SPD-Abgeordnete dagegen einen Anschlag auf den Friedensprozess. Wer hat Recht?

„Was macht die Welt“ glaubt nicht, dass besagte SPD-Menschen wirklich an einem realen palästinensischen Staat interessiert sind, sonst würde sie ihr Hass auf Scharon nicht so blenden. (Überhaupt entwickelt sich hier eine Pathologie, die mit rationaler Kritik nichts mehr zu tun hat.) Ganz einfach: Scharon implementiert Baraks Camp-David-Angebot, aber einseitig, weil Arafat und Co. nicht verhandlungsfähig sind. Also: Ganz raus aus Gaza, Aufgabe der Westbank bis auf jene Siedlungen, die just jenseits der Grenze von 1967 liegen. Baraks Angebot war natürlich besser, aber Arafat glaubte, mit Gewalt mehr heraushauen zu können. Bekommen hat er Scharon. Ein „brillanter“ Schachzug.

Zehn Jahre nach dem Ende der Apartheid geben in Südafrika 70 Prozent dem ANC die Stimme. Gibt es keine anderen schwarzen Parteien?

Doch, aber wiewohl Südafrika das demokatischste Land auf dem Kontinent ist, darf man es sich nicht als Schweiz-am-Kap vorstellen. Der ANC ist die Staatspartei, die Pfründe und Patronage zu verteilen hat, dazu die Macht besitzt. Das ist wie in Bayern. Dort gibt es auch nur eine schwarze Partei.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik …

Zwei der prominentesten Gäste bei Gerhard Schröders Geburtstagsparty vergangene Woche in Hannover waren Wladimir Putin und der ägyptische Präsident Hosni Mubarak – der eine ein demokatischer Diktator, der andere ein klassischer orientalischer Despot. Realpolitik muss schon sein, aber bitte ohne Sahne.

Josef Joffe ist Herausgeber und Chefredakteur der „Zeit“. Fragen: cvm

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