Politik : Was macht die Welt?

Man redet miteinander – die Araber in Tunis und Bush mit dem Papst

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Die Schweizer dürfen über die Anhebung der Mehrwertsteuer abstimmen, in Deutschland sind Referenden über Finanzfragen verboten. Können die Schweizer besser rechnen?

Mag sein, auf jeden Fall aber sind die Eidgenossen klüger als die Deutschen. Denn die haben ja nie im Vorhinein die Rechnung für die sozialen und privaten Wohltaten gesehen, die ihnen Papa Staat seit der Ära Brandt (196974, damals begann der Wohlfahrtsstaat zu explodieren) angeboten hat. Der deutsche Bürger dufte immer erst zugreifen und merkte  erst später (Erhöhung der Steuern, Lohnnebenkosten), dass es im Leben nichts umsonst gibt. Vorher abzustimmen, ist also die richtige Reihenfolge – so wie man tunlichst zuerst auf den Preis gucken soll, bevor man sich etwas bestellt, sei’s eine Currywurst oder ein Champagner.

Der letzte Gipfel der Arabischen Liga platzte. Werden die Herrscher diesmal beim Gipfel in Tunis zusammentreffen – und worauf können sie sich einigen? 

Die arabische Welt wäre nicht die arabische Welt, wenn sie sich einigen könnte, zumal auf ein positives Ziel. Geschafft hat sie es nur einmal: auf ihrem Gipfel in Khartoum 1968, als sie dem Friedensangebot Israels (nach dem Sechstage-Krieg) ihr dreifaches Nein entgegenschleuderte: kein Frieden, keine Anerkennung, keine Gespräche. Alle Reformgipfel der Arabischen Liga leiden an der unmöglichen Aufgabe, dass Potentaten, die Teil des Problems sind, sich im Zuge der Lösung selber abschaffen müssten. Wie viel Liberalisierung darf man von dem Syrer Assad jr. erwarten, dessen Diktatur bereits auf Erbfolge beruht?

Am 3. Juni besucht Präsident Bush den Papst. Was haben sich der mächtigste Feldherr und das moralische Oberhaupt der Friedensbewegung zu sagen?

Eine ganze Menge, wo es um Religion geht. Eigentlich müsste der Pontifex stolz auf seinen W. sein, ist dieser doch, anders als die meisten europäischen Regierungschefs, ein sehr gläubiger Mensch. Zweitens präsidiert er über das gläubigste Land des Westens, derweil sich Europa, auch das einst so katholische Italien, rapide entchristianisiert. Gleichzeitig mag dieser Papst weder Kapitalismus noch militärische Macht (und auch keine wiedergeborenen Evangelikalen). Aber da er sehr krank ist und nicht sehr gut sprechen kann, wird das kurze Gespräch wohl bei den angenehmen Gemeinsamkeiten verharren.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik …

Hier muss „Was macht die Welt“ weiter Trübsal blasen. Diese Regierung ist derzeit kaum handlungsfähig, weil sie sich selber nicht in den Griff kriegt. Andererseits ist es Schröder hoch anzurechnen, dass er keine außenpolitischen Krisen vom Zaun bricht, um so von den heimischen Miseren abzulenken.

Josef Joffe ist Herausgeber und Chefredakteur der „Zeit“. Die Fragen: cvm

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