Politik : Was macht die Welt?

Ein vertrauenerweckend langweiliges Deutschland – und Saddam im Fernsehen

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Horst Köhlers MutmacherRede ist im Inland gut angekommen. Verändert sie auch das Bild der Deutschen in der Welt?

Ob die Welt so genau hinhört, wenn der deutsche Präsident spricht? „WmdW“ denkt, dass die Welt nicht mehr so obsessiv über die Deutschen nachdenkt, was einerseits gut ist. Denn früher hat sich die Welt immer darüber gesorgt, ob Deutschland wirklich demokratisch/liberal/stabil ist, also immun gegen die deutschen Pathologien des frühen 20. Jahrhunderts. Daran zweifelt niemand mehr. Deutschland ist langweilig geworden, und das ist gut so, weil Vertrauen erweckend. Anderseits guckt niemand mehr so genau hin, weil dieses Land nicht besonders interessant ist mit seiner Wachstums- und Führungsschwäche, seinen Selbst-Blockaden, seinem sich ewig wiederholenden politischen Diskurs und seinem fehlenden Elan im geistigen, literarischen und universitären Leben.

Saddam Hussein ist wieder im irakischen Fernsehen zu sehen. Wird der Prozess gegen ihn zu seiner Bühne?

Unwahrscheinlich. Im Laufe des Prozesses werden die Aussagen von Dutzenden von Überlebenden sowie Hunderte von Dokumenten ein präzises Bild von seiner Schreckensherrschaft zeichnen. Das könnte auch die Kriegsgegner, die sich nur mit den Verfehlungen Amerikas beschäftigt haben, etwas nachdenklicher machen. Vielleicht auch die arabischen Massen, da der Prozess vor den Augen der ganzen Welt und somit rechtmäßiger und regelhafter ablaufen wird als sonst üblich in Arabisch-Nahost.

Israels oberstes Gericht greift in den Verlauf des Grenzzauns ein. Eine Reaktion auf den internationalen Druck?

Diese Frage zeugt von Unwissen über Wesen und Geschichte des israelischen Supreme Court, einem der unabhängigsten Gerichtshöfe der Welt. Dieser hat schon so häufig gegen die Regierung entschieden, zumal in palästinensischen Dingen und in Fragen der Staatssicherheit, dass man ihm keinen vorauseilenden Gehorsam gegenüber ausländischen Institutionen vorwerfen sollte. Dass es dieses Gericht gibt und die Regierung sich ihm unterwirft, zeigt, dass Israel aus einem anderen moralischen Holz geschnitzt ist als seine Feinde unterstellen, zumal jene im Westen, die gern mit der Gleichung „Israelis-Nazis“ operieren.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik …

Neuerdings spricht nach Berlin auch Paris zugunsten des EU-Beitritts der Türken – also jener Chirac, der vor kurzem noch die Amis verhöhnt hatte, weil sie sich für die Türkei stark gemacht hatten. Wenn dieser Sinneswandel auf den mäßigenden Einfluss von Schröder/Fischer zurückzuführen ist, darf man den beiden gratulieren, geht doch sonst immer die Führung des Tandems von Paris aus.

Josef Joffe ist Chefredakteur und Herausgeber der „Zeit“. Fragen: cvm

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