Politik : Was macht die Welt?

Über strafende Götter, selektive Moral und schlechte Ideen

-

Ist die Welt reif für einen deutschen Sitz im UNSicherheitsrat?

„Reif“ im Sinne von „weichgekocht“? Schon der hochgeschätzte Vorgänger im Amt, Klaus Kinkel, begann die Welt vor zehn Jahren mit Wir-sind-wieder-werWünschen zu traktieren; seitdem ist der Wunsch zum Ritual geworden, der wie alle Rituale milde nervt, aber sonst keine weitere Wirkung zeitigt. Fischer möge sich an den griechischen Fluch erinnern: Die Götter strafen jene, deren Wünsche sie erfüllen. Also: So Deutschland jemals in den Sicherheitsrat kommt, wird der Sitz seinen Wert verloren haben, weil dann (mindestens) Indien, Brasilien, Nigeria, Südafrika, Indonesien, Japan und eine größere arabische Diktatur mit am Tisch sein werden. Nix mehr Exklusivität. Aber eher und schneller wird die Türkei in die EU kommen als Deutschland in den Sicherheitsrat.

Die USA haben eine neue Sudan-Resolution in den UN-Sicherheitsrat eingebracht, die Briten bereiten eine Schutztruppe vor. Wird es eng für die Regierung in Khartum?

Man wünscht es sich. Was die sudanesische Regierung und ihre Helfershelfer seit Jahren anrichten, ist der größte Skandal seit Ruanda, zumal sich die Welt mit ihrer sehr selektiven moralischen Wahrnehmung erst sehr spät den Massakern von Christen, Animisten und auch Muslimen zuwandte. Die Briten, die Sudan einst erobert haben, kennen das Land hoffentlich noch. Dort gänzlich unbeleckt mit einer kleinen Truppe zu operieren, wird nicht einfach sein. Im Übrigen sollte Berlin diesmal helfen, kann doch auch die flinkste Rhetorik den humanitären Einsatz nicht als imperiales „Abenteuer“ diskreditieren.

Die Palästinenser rebellieren nicht nur gegen Israel, sondern auch gegen Jassir Arafat. Geht seine Zeit bald zu Ende?

Was heißt „bald“? Der Mann beherrscht die PLO seit 1968, ihre wichtigste Unter-Truppe Fatah seit 1964. Arafat ist heute 75 Jahre alt, hat jede seiner vielen Fehlentscheidungen überstanden und hat so viele Leben wie ein ganzes Rudel Katzen. Dieser Mann wird so lange al-Rais sein wie er lebt, und da er keine gesundheitsschädigenden Laster wie Rauchen oder Völlerei hat, gibt ihm „WmdW“ noch mindestens zehn Jahre.

Ein Wort zum deutschen Außenminister?

Joschka Fischer hat streuen lassen, dass er es in der UN-Generalversammlung auf eine Kampfabstimmung ankommen lassen will, um deutsche Sicherheitsrats-Ambitionen durchzusetzen. Keine gute Idee. Erstens wird es Berlin sehr viel kosten, lauter kleinen Ländern ihre Stimme abzuluchsen. Zweitens wäre es ein Scheinsieg, weil das entscheidende Votum im Sicherheitsrat stattfindet, wo jeder der Großen Fünf sein Veto gegen Berlin einlegen kann.

Josef Joffe ist Herausgeber und Chefredakteur der „Zeit“. Fragen: clw

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben