Politik : Was macht die Welt?

Neu-alte Terrordrohungen und palästinensischer Zement für den Sperrwall

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Die USA wurden mit Terrorwarnungen aufgeschreckt, die auf altem Archivmaterial von Al Qaida beruhen. War das nur Panikmache zu Wahlkampfzwecken?

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. USOffizielle verweisen auf die jahrelangen Vorbereitungen des Terroranschlages von Nairobi vor genau sechs Jahren, dem 200 Menschen zum Opfer fielen. Folglich sind sie heute so nervös im Blick auf die Finanzzentren in New York, Washington und New Jersey, obwohl ein Großteil der Informationen zurückgeht auf die Zeit vor dem 11. September 2001. „Al Qaida wartet Jahre ab, um zu handeln – und Jahrzehnte, um zu reüssieren,“ sagt der US-Staatsanwalt Fizgerald, der seit zehn Jahren Osama bin Laden hinterherrecherchiert. Es ist eine alte Geschichte: Der Angreifer kann sich Ort und Zeit aussuchen; der Verteidiger kann nie genau wissen, wo der Feind zuschlägt.

Kofi Annan muss die UN-Mission im Irak nun doch von Koalitionstruppen schützen lassen. Wo bleiben die großen UN-Freunde in Europa?

Zu Hause. UN-Freunde haben ihre Truppen noch nie dorthin geschickt, wo es knallt. Oder ihre Blauhelme dort belassen, wenn es knallt – siehe den Abzug der UN aus dem Sinai im Mai 1967, der den israelischen Angriff im Sechstagekrieg auslöste. Das ist das Grundsatzproblem der UN: Sie hat keine eigenen Truppen, sondern muss sich auf ihre „Freunde“ verlassen. Die aber handeln im eigenen Interesse und nicht im Dienste des Guten und Gerechten. Was werden Chirac/Schröder bloß machen, wenn der leidenschaftlich ersehnte Präsident Kerry ganz multilateralistisch um Blauhelme bittet?

20 palästinensische Dörfer bereiten eine Klage wegen des israelischen Sicherheitszauns vor. Diesmal aber unter anderen Vorzeichen …

Neu ist, dass die Beklagte nicht die Regierung Israels ist, sondern die Palästinenser-Behörde (PA) des Jassir Arafat, der gerade seinen 75. Geburtstag gefeiert hat. Die Klageschrift führt an, dass israelische Bauunternehmer Zement benutzen, welchen sie von Offiziellen der PA gekauft haben, die das Material mit Hilfe dubioser Importlizenzen aus Ägypten importiert hätten. Notiert „Time Magazine“: Das ist, als hätten „Beamte der Regierung Kennedy 1962 Zement an DDR-Baufirmen verkauft“, um so vom Bau der Berliner Mauer zu profitieren.

Ein Wort zum deutschen Außenminister …

Joschka Fischer bekommt gute Noten vom politischen Gegner. Edmund Stoiber, oberster Bayern-Chef mit nachhaltigen Kanzler-Ambitionen, meint, dass das Gespann Merkel/Westerwelle in der personalisierten Konkurrenz dem Team Schröder/Fischer „nicht das Wasser reichen" könne. „Was macht die Welt?“ (seit 20 Jahren Münchner) wagt es nicht, seinem Landesvater zu widersprechen.

Josef Joffe ist Herausgeber und Chefredakteur der Zeit. Fragen: clw

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