Politik : Was macht die Welt?

Bezahlt eine „Terrorsteuer“ und wettet auf Bush

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1. Nach dem 11.9.2001 hieß es: Nichts wird mehr sein, wie es war. Was hat sich in den drei Jahren grundlegend geändert?

Abgesehen von den vielen Terroranschlägen seitdem von Bali bis Madrid leidet die Welt an einer ziemlich heftigen „Terrorsteuer“, die richtig sichtbar allerdings nur auf den Flugtickets wird, die sich durch die Sicherheitsgebühren verteuert haben. Aber wie misst man Wartezeiten in den Schlangen vor den Metalldetektoren (multipliziert mit Millionen von Reisenden)? Wie das Misstrauen, die Abschottung von Grenzen, die Vermehrung der Polizei und Nachrichtendienste, die zeitraubende Kontrolle des Warenverkehrs? Die Verlangsamung und Erschwerung von Bewegung hat volkswirtschaftliche Kosten in Höhe von Abermilliarden.

2. Russland droht mit Präventivschlägen gegen Terroristen weltweit. Was heißt das konkret?

Die Moral von dieser Geschicht’ ist vorweg: Man muss offensichtlich nicht Bush heißen, um über Präventivschläge nachzudenken – man muss nur Großmacht sein und dazu ein paar schmerzhafte Terrorattacken erlitten haben. Das Dumme bei solchen Schlägen ist bloß, dass der moderne Terrorismus keine Adresse hat, seitdem Al Qaida seine Basis in Afghanistan verloren hat und Saddam auch nicht mehr ist. Es bleiben aber mindestens zwei mögliche Adressen: Syrien, das etwa ein Dutzend Terrorgruppen beherbergt, und Iran, das indirekt an vielen Orten (indirekt) die Hand im Spiel hat, zumal im Irak. Möglich dass die dortigen Machthaber jetzt etwas unruhiger schlafen.

3. Kerry liegt in den Umfragen weit hinter Bush zurück. Mit welchem Thema kann er noch aufholen?

Schwer zu sagen. Die Wirtschaft, sie läuft nicht perfekt, aber auch nicht schlecht – monatlich produziert sie neue Jobs in sechsstelliger Höhe. Irak? Kein dramatischer Fortschritt, aber auch kein dramatisches Desaster. Dagegen ist Kerrys Heldennimbus im Vietnamkrieg deutlich angekratzt worden, und seine Flipflops im Irakkrieg (dafür, dagegen, weiß nicht so richtig) empfehlen ihn nicht als Präsident in gefährlichen Zeiten. Zurzeit wettet „Was macht die Welt“ auf Bush …

4. Ein Wort zu Amerika …

… und zwar aus folgenden Gründen: Bush ist nicht nur allgemein ein paar Punkte vor Kerry, sondern auch in klassischen „Swing-Staaten“ wie Pennsylvania und Ohio. In New Jersey, einer scheinbar sicheren Kerry-Bastion, liegt Bush mit dem Herausforderer gleichauf. Mehr als 1:1 aber will „Was macht die Welt“ nicht auf Bush setzen. Denn es gilt immer das alte amerikanische Sprichwort: 24 Stunden sind eine lange Zeit in der Politik. Berüchtigt sind auch die „October Surprises“ im amerikanischen Wahlkalender, welche die Fortüne der Kandidaten durcheinander wirbelt.

Josef Joffe, Herausgeber der „Zeit“, lehrt bis Jahresende an der kalifornischen Stanford-Universität. Fragen: cvm

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