Politik : Was macht die Welt?

Der Euro ist trotz Defiziten stark – und die USA liefern Israel Bomben gegen Iran

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Athen meldet seit Jahren falsche Schuldenzahlen, aber der Euro ist stark. Hängt die Stabilität doch nicht an den Kriterien?

Griechenland ist eine der kleinsten Wirtschaften in Euroland, und deshalb haben Ausrisse nicht den Effekt wie bei den Großsündern Deutschland, Frankreich und Italien. Andererseits leben wir in einer Zeit, da Defizite nirgendwo in der westlichen Welt die Inflation befeuern. Deutschland hat ein Defizit von vier Prozent, Amerika von fünf. Doch ist die Inflation in beiden Ländern sehr niedrig, unter zwei Prozent. Ein Grund für die niedrige Inflation in Euroland mag die Arbeitslosigkeit sein – und eine Industrie, die aufgrund des fallenden Konsums unterhalb ihrer Kapazitätsgrenzen läuft. Daraus zu schließen, dass die Stabilitätskriterien unnötig sind, wäre falsch. Wir leben zurzeit bloß in einer Phase unausgeschöpfter Produktionsfaktoren.

EU-Kommissar Verheugen empfiehlt Beitrittsverhandlungen mit der Türkei. Wird die Aufnahme unvermeidlich?

Irgendwann schon, wir wissen bloß nicht wann. Wir alle kennen das Dilemma: Wir wollen die Türkei dabei haben, um einem halbwegs säkular-demokratischen Staat auf diesem Weg weiterzuhelfen. Anderseits wissen wir genau, dass die Türkei kulturell (noch) nicht zu Europa passt. Dieses Dilemma werden wir so lange finassieren, bis sich die Waage in die eine oder andere Richtung neigt, hoffentlich in die Richtung von Modernität, Liberalismus und Demokratie. Aber WmdW glaubt nicht, dass die Türkei in den nächsten zehn Jahren EU-Mitglied sein wird.

Israel soll bunkerbrechende Bomben aus den USA erhalten. Wird Irans Atomprogramm abermals heiß abgerüstet?

Was heißt „abermals“? Gemeint ist wohl der „Abriss“ des irakischen Meilers Osirak durch israelische Bomber 1981. Die Bombenmeldung gehört zum Nervenkrieg. Washington will die Mullahs dazu bewegen, ihre Atomwaffen-Ambitionen aufzugeben, deshalb die demonstrative Geste mit den bunkerbrechenden Waffen. Keine schlechte Idee, hat doch Teheran die friedlich auftretenden Europäer mit seinen Versprechen bloß an der Nase herumgeführt. Ob die Israelis wirklich zuschlagen, ist eher zweifelhaft, weil es diesmal schwieriger sein wird als im Irak. Zuviele der Anlagen sind geheim oder tief im Untergrund versteckt.

Ein Wort zu Amerika …

Vergangene Woche hat Kerry endlich die Initiative ergriffen, und zwar als Anti-Kriegs-Kandidat. Das Problem dabei ist nur, dass er dem Wahlvolk Hoffnungen machen will, welche dieses als leere Versprechungen durchschaut. Kein Amerikaner glaubt, dass andere Nationen den USA die militärische Last im Irak abnehmen werden. Kerry wird von Paris und Berlin ebenso wenig Hilfe bekommen wie Bush. Und deshalb will die neue Strategie nicht richtig zünden.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“ und lehrt bis Jahresende an der kalifornischen Stanford-Universität. Fragen: cvm

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