Politik : Was macht die Welt?

Amerikas neue alte Außenpolitik und warme Worte für Afrika

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Auf Colin Powell folgt Condoleezza Rice. Was ändert sich dadurch an der Außenpolitik der USA?

Es müsste sich so einiges ändern, aber WmdW? vermutet, dass dies nicht der Fall sein wird. „Condi“ Rice hatte den Job als Sicherheitsberaterin nicht bekommen, weil sie als kluger Widerpart dienen sollte. Sie denkt und fühlt wie W.; sie hat stets vermieden, eine andere Position zu beziehen, jedenfalls nach außen. Sie hat den Irakkrieg mitgetragen, und sie pflegte stets zu sagen: „Der Präsident denkt/glaubt, dass …“ Andererseits ist sie nicht nur die Stimme ihres Herrn. Sie hat – anders als Colin Powell – auch dessen Ohr. Wenn sie also glaubt, dass die USAußenpolitik in der ersten Amtszeit schwere Fehler gemacht hat, hätte ihr Wort im Weißen Haus mehr Gewicht als das ihres Vorgängers, der nur den Mund gespitzt, aber nie gepfiffen hat.

Die Erschießung eines Verwundeten in einer Moschee von Falludscha empört die Welt. Ein Tabubruch wie die Folter im Gefängnis Abu Ghraib?

Die Welt empört sich, weil sie empörungsbereit ist. Sonst hätte sie erst einmal abgewartet, bis die Fakten klar sind. Oder sie hätte ein wenig skeptischer auf TV-Bilder von Al Dschasira reagiert. Jeder, der schon mal in einer Leben-und-Tod-Situation gewesen ist, weiß, dass die gefühlte Gefahr die Oberhand gewinnt. Die Marines im Irak wissen, dass verwundete oder scheinbar tote Gegner häufig genug zur Waffe gegriffen haben. Trotzdem besagen alle US-Kriegsregeln, dass Wehrlose nicht zu attackieren sind. Die Untersuchung wird zeigen, ob es vermeidbare oder gerechtfertigte Waffengewalt gewesen ist.

Sudan, Elfenbeinküste, Kongo: Der UN-Sicherheitsrat tagt erstmals auf dem Kontinent der Krisenherde statt in New York. Was hat Afrika davon?

Einen feinen symbolischen Akt, der verheißen soll: Wir, die wir uns als Quasi-Weltregierung verstehen, wollen uns demnächst mehr um den dunkelsten aller Kontinente kümmern. Freilich muss man verstehen, dass diese Regierung nicht über die Machtmittel verfügt, die Genozid und Säuberung verhindern könnten. Es wird beim alten Muster bleiben. Wenn Frankreich gewichtige postimperiale Interessen verspürt, wird es militärisch handeln. Dito die Amerikaner und Briten. Aber Verlass ist auf alle drei nicht.

Ein Wort zu Amerika …

Bush räumt im Kabinett auf, aber die drei Hauptpfeiler der alten Außenpolitik bleiben: der Vizepräsident Cheney, der Verteidigungsminister Rumsfeld und Condi Rice, nunmehr als Außenministerin. Daraus lässt sich kein prinzipieller Wandel ableiten. Es sei denn, dass W. den Reagan macht, also in der zweiten Amtszeit den Geschichtsbüchern von morgen eher gehorcht als den Glaubenssätzen von gestern.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“ und lehrt bis Jahresende an der Universität Stanford, Kalifornien. Fragen: cvm

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