Politik : Was macht die Welt?

Ein neuer Franzose, die alten Iraner und der stets besorgte Joschka Fischer

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Alle klagen über Putins Einmischung in der Ukraine. Aber haben die USA nicht ihrerseits die Opposition unterstützt?

Es macht doch wohl einen Unterschied, ob man wie Putin Wahlfälschung zelebriert, also auf der Seite des Unrechts steht, oder ob man diese wie Colin Powell mit scharfen Worten geißelt. Hier in den USA liest man nicht, dass sich die EU über die Manipulation echauffiert hätten; Joschka Fischer zeigt sich bloß „besorgt über die Vorwürfe von Wahlfälschung“. Dabei könnte man sehr wohl das Richtige sagen, ohne gleich den Großen Wladimir zu ärgern – so wie Powell, der sich stets nur an Kiew gewandt hat. Offensichtlich hat der Druck gewirkt: Die Rivalen Janukowitsch und Juschtschenko haben sich auf einen „Runden Tisch“ geeinigt. Jetzt könnte auch die tapfere EU ein wenig Druck machen.

In Frankreich übernimmt Sarkozy die Führung der Konservativen. Wer kann besser mit ihm, Schröder oder Bush?

Sarkozy gibt sich als Modernisierer, der nicht so reflexhaft gegen „amerikanische Verhältnisse“ motzen wird wie Chirac. Auch glaubt Sarkozy nicht so fest an das Tandem Paris-Berlin, sondern an ein „Konzert“ an dem auch England, Italien und Polen beteiligt sind. Beides könnte ihn näher an Bush heranführen. Warten wir aber ab, bis er Präsident ist. Das Festhalten am „Tandem“ und an „französischen Verhältnissen“ hat sich noch unter jeder Regierung – links oder rechts – gegenüber dem Wandel durchgesetzt.

Die EU-Drei scheinen Teheran doch noch einen Verzicht auf Uran-Anreicherung abgerungen zu haben. Wirkt Diplomatie doch besser als militärische Drohungen?

Der erste Deal vor einem Jahr ist gescheitert, der zweite gerade auch. Plötzlich aber heißt es, dass Teheran den EUlern doch entgegenkommen will. Dieses Hin und Her zeigt, dass Iran kein verlässlicher Partner ist. Überdies wollen die Iraner keinesfalls auf ihren Schwerwasser-Reaktor in Arak verzichten, auf einen Typ also, der in Atomwaffenstaaten stets für die Produktion von Plutonium benutzt worden ist. Dieser ist ein viel besserer Bombenstoff als Uran. Acht Kilo sind schon gut für eine Bombe, 20 Kilo sind es bei einer Uranbombe. Die EU verwehrt sich der Einsicht, dass Iran nicht nach Atomstrom, sondern nach der Bombe greift.

Ein Wort zu Amerika …

Zur Zeit im Westen nichts Neues, außer, dass die Marines wider alle Voraussagen einen relativ schnellen Sieg in Falludscha davon getragen haben.Und die kluge Allawi-Regierung bietet den Sunni-Rebellen politische Gespräche in Jordanien an. Hier die Faust, da die ausgestreckte Hand – vielleicht funktioniert es im Irak doch.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“ und lehrt bis Jahresende an der Universität Stanford, Kalifornien. Fragen: cvm

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