Politik : Was macht die Welt?

China auf dem Sprung nach Taiwan und Fischer durch das Chaos gerettet

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Seit Peking Taiwan droht, regt sich Widerstand gegen eine Aufhebung des Waffenembargos. Aber ist China nicht noch ein militärischer Zwerg?

Chinas Militärausgaben sind 2002 um 20 Prozent, seitdem um jährlich zehn Prozent gewachsen, und es besitzt die größte Armee der Welt (2,2 Millionen). Aber wie sie auf die Insel kriegen? Erstens, indem China mit seinen 69 UBooten (fast doppelt so viel wie D, F und GB zusammen) die Straße von Taiwan sichert. Dann mit einer Flotte von 63 Kampfschiffen (fast das Zweifache Frankreichs) das Gleiche auf dem Wasser tut. Derweil sichern bis zu 700 Marinejets den Luftraum. Bloß bei den Transportern hapert es noch. Die 50 Schiffe könnten auf einmal nur 10 000 Mann auf die Insel bringen, aber wenn sie oft genug hin- und herfahren … Was die Chinesen an der Invasion hindert, ist allein die US- Pazifikflotte.

20 Jahre Perestrojka. Ist Russland unter Putin freier als unter Gorbatschow?

Auf das Datum kommt es an. Die Sowjetunion von 1985, als Gorbi kam, war noch ein totalitäres Ungetüm. Sechs Jahre später, als Jelzin die Macht an sich riss, war es wohl das freieste Russland, das es je gab – mit einer vitalen freien Presse und einem lebhaften Parlament. Dann wurde die Wirtschaft schrittweise von den Fesseln des Staates befreit. Und heute? Die Bündelung der Macht im Kreml schreitet voran, die Hauptmedien sind insofern frei als sie ungebändigt Putin preisen dürfen, und die wichtigsten Wirtschaftszweige (Rohstoffe) werden dem Markt wieder entzogen. In Russland blüht der Neo-Zarismus.

Syrien zieht seine Truppen überraschend schnell im Libanon zurück – weil es glaubt, dass die prosyrische Hisbollah die Machtpositionen übernimmt?

„Zurück“ heißt nicht „ab“, auch wenn es Assad offenbar versprochen hat. Hinter der Truppenverschiebung nach Osten lauert wieder die altbekannte Hand syrischer Macht, die jeden Meter Rückzug mit einer Tonne politischen Drucks kompensiert. Woher WmdW das weiß? Einfach. Am Donnerstag wurde just der Mann wieder zum Premier ernannt, der in der Woche davor von den Demonstranten vertrieben worden war. Ernannt hat ihn Präsident Lahoud, der – Überraschung – ebenfalls ein Mann der Damaszener ist.

Ein Wort zum deutschen Außenminister…

WmdW gibt jetzt die ultimative Wahrheit zu Fischer von sich: Er wird weder zurücktreten noch dazu gezwungen werden. Der Grund: Damit ein Skandal richtig skandalös wird, muss man ihn mit einem Satz erklären können. Das geht in dem Wirrwarr von Visa, Botschaften, Erlassen, Schleusern und Sex-Sklavinnen nicht, das bis zu fünf Jahre zurückliegt. Nur eine Chance hat die Union: Wenn sie Fischer beim Lügen erwischt. Es ist nie die Tat, sondern ihre Vertuschung, die zum Sturz führt.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: cvm

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