Politik : Was macht die Welt?

Amerika ist religiöser als Europa und die Royals bekommen Verstärkung

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Amerika ist nicht sehr katholisch, aber drei Präsidenten beten in Rom am Leichnam des Papstes. Warum?

Na ja, ganz so unkatholisch ist Amerika mit 72 Millionen Gläubigen nicht, obwohl dort einst der „Antipapismus“ noch stärker war als der Antisemitismus. Millionen von Iren, Polen, Italienern haben die USA im 19. Jahrhundert „katholisiert“, heute sind es die Hispanics. Diese Gruppen sind traditionell DemokratenWähler, die es zu keilen gilt. Aber noch wichtiger als die spezifische Geste ist die grundsätzliche: Amerika bleibt im Vergleich zu Europa, das sich entchristlicht, ein hochreligiöses Land, und so ehren die Bushs mit dem Papst eine Kultur im eigenen Land, die Christen, Juden und Muslime vereint.

Drei Regierungen, die für ihre Beteiligung am Irakkrieg unter Druck geraten waren, lassen vorzeitig wählen: Großbritannien, Italien, Polen. Ist die Gelegenheit günstig?

Ungünstig, wenn man Polen und Italien betrachtet. Durch beide Länder fressen sich Regierungskrisen. Das Berlusconi-Bündnis hat gerade in den Regionalwahlen eine üble Niederlage erlitten, in Polen will Premier Belka Neuwahlen, weil … Polen ist zu kompliziert für eine Kolumne von 2700 Zeichen. In Britannien hat sich die Kluft zwischen Labour und Tories in den Umfragen wieder hübsch verbreitert, also nutzt Blair die Gelegenheit, sich noch einmal fünf Jahre zu verschaffen. Mit Irak hat das alles nichts zu tun. Der Knackpunkt in England wie Polen ist die europäische Verfassung.

Prinz Charles’ Heiratsprobleme lösen neue Debatten über die „antiquierte Institution“ Königshaus aus. Die meisten der neun Monarchien Europas sind aber ziemlich beliebt. Wie schaffen sie das?

Die Skandinavier, Belgier etc. haben Häuser, die sich noch irgendwie königlich verhalten – also (mehr oder weniger) diszipliniert, diskret und pflichtgemäß. Das kann man vom britischen seit Heinrich VIII. nicht mehr sagen. Trotzdem muss „Was macht die Welt?“ eine Lanze für Camilla brechen. Sie hat sich stets recht aristomäßig verhalten – bis auf das berühmte Handygespräch, wo es um Hygienisches ging,  keinen Blödsinn geredet, keine Kapriolen wie Diana geschlagen. Sie wird einen guten Einfluss auf Charles haben und aus ihm noch einen präsentablen Windsor machen.

Ein Wort zum deutschen Außenminister …

Fischer sollte der Nazi-Nachruf-Affäre einen Gewinn für das Auswärtige Amt und das Land abtrotzen. Ob das AA naziverseuchter war als andere Bonner Ministerien, weiß „Was macht die Welt?“ nicht. Sicher aber ist, dass es das AA vermieden hat, sich seiner Vergangenheit zu stellen, wie es deutsche Banken und Unternehmen mit historischen Untersuchungen längst getan haben. Wir möchten es jetzt genauer wissen, also her mit einer Forschungskommission.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

Fragen: cvm

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