Politik : Was macht die Welt?

Ballast abwerfen und unterm Schröderschen Joch laufen

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Joschka Fischer fordert nun ein Entgegenkommen der Chinesen für die Aufhebung des Waffenembargos. Werden die sich darauf einlassen?

Der arme Joschka – gefangen zwischen seiner Treue zum Kanzler und seinen besten Instinkten, die ihm aus zwei Gründen die Aufhebung verbieten. Einmal wegen der Staatsräson: Dieses Land, das ohnehin schon die schlechtesten Beziehungen zu Amerika seit Anbeginn der Republik 1949 hat, sollte diese nicht noch mehr beschädigen, indem es dessen potenziell gefährlichsten Gegner beim Aufrüsten hilft. (Auch sollte Berlin nicht das falsche Signal an Japan, Indonesien, Thailand und all die anderen senden.) Zum zweiten wegen der eigenen Partei und eines Großteils der SPD, die in Menschenrechtskategorien denken. Leider wird Peking Fischer nicht den Gefallen tun, ihm beim Knacken dieses Dilemmas zu helfen.

In Italien ziehen sich die Christdemokraten aus der Regierung zurück. Was ist aus dem einstigen Politstar Berlusconi geworden?

Ein buffone, wie es unübersetzbar auf Italienisch heißt, ein Witzbold. Aber ein schlauer, der das Ränkespiel der italienischen Politik besser beherrscht als sein stärkster Rivale auf der Linken, der ehemalige EU-Großbürokrat Romano Prodi. Zurzeit macht Berlusconi das Angesagte: Er wirft Ballast ab – den kleinen Christdemokraten-Haufen und Teile seines Medienimperiums. Seine Niederlage in den kommenden Nationalwahlen ist nicht garantiert. Arrangiarsi, sich durchwursteln, ist die höchste Lebenskunst in Italien.

Heute beginnt in Rom das Konklave. Ist die Zeit reif für einen Kandidaten aus der Dritten Welt?

War die Zeit reif für einen polnischen Papst anno 1978? Vergessen wir nicht, dass der italienische der größte und homogenste Kardinalsblock ist, was man von denen aus Asien und Afrika nicht sagen kann. Aber es ist müßig, das Verdikt eines Konklave voraussagen zu wollen. Die Kurfürsten im Vatikan waren immer für eine Überraschung gut. Und die göttliche Eingebung ist es sowieso.

Ein Wort zum deutschen Außenminister …

Nicht nur Joschka Fischer sitzt wegen des China-Embargos (siehe oben) in der Klemme, sondern auch seine Partei, deren de-facto-Chef er ist. Die Grünen sind Gefangene des größeren Partners SPD, weil sie anders als die Freidemokraten keine Koalitionsalternative haben. Sie werden so lange unterm Schröderschen Joch laufen müssen, wie sie nicht koalitionsfähig für die Union werden. Vielleicht sollte Fischer bei Altmeister Genscher in die Lehre gehen. Aber dazu müssten die Grünen eine richtige Partei werden. Eine Bewegung, welche die Grünen im Kern noch immer sind, kann sich paradoxerweise nicht bewegen – jedenfalls nicht, wo es um ein kaltherziges Machtspiel geht.

JosefJoffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mos

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