Politik : Was macht die Welt?

Die Deutschen haben auch gewonnen, und Europa ist noch nicht verloren

-

Den Jahrestag des Kriegsendes begeht Kanzler Schröder gemeinsam mit Putin, Bush und Chirac in Moskau. Deutschland ist rehabilitiert – aber ist das nicht ein historisch falsches Bild: die Deutschen im Kreis der Sieger?

Das falsche Bild hat es schon mal gegeben – beim 60. Jahrestag der NormandieInvasion, als Schröder ebenfalls dabei war. Die Sache ergibt insofern Sinn, als 1945 nicht die Bundesrepublik, sondern das Dritte Reich besiegt worden war und der 8. Mai die Geburtsstunde des freiesten Deutschlands (im Westen wenigstens) markierte. In dem Maße, wie die Deutschen die „Stunde null“ als Befreiung und nicht als Unterwerfung verstehen, dürfen sie sich ebenfalls als Sieger fühlen (siehe die Weizsäcker- Rede von 1985). Freilich hat die Sache einen kleinen Haken, nämlich all jene Bücher aus jüngerer Zeit, die den Deutschen suggerieren, dass sie nicht Gewinner, sondern Opfer waren.

In Istanbul beraten Iraks Nachbarstaaten. Was können sie zur Besserung beitragen – und wollen sie das überhaupt?

Vieles – indem sie zum Beispiel ihre Grenzen zum Irak so sichern, dass keine ausländischen Terroristen mehr in den Irak einsickern. Oder indem sie normale, kooperative Beziehungen zur neuen Regierung in Bagdad herstellen. Freilich darf man da nicht allzu optimistisch sein, weil Länder wie Syrien und Iran kein gesteigertes Interesse an einer florierenden Demokratie in Irak haben.

Es ist gut möglich, dass die Franzosen Nein zur Europäischen Verfassung sagen. Wie sieht dann „Plan B“ aus?

Genauer handelt es sich nicht um eine Verfassung, sondern um einen Verfassungsvertrag, der alle vorherigen Verträge wie Nizza und Maastricht mit aufnimmt. Wird dieser Vertrag nicht akzeptiert, bricht nicht etwa die EU zusammen. Es gilt der vorletzte Vertrag, also der von Nizza, unter dem die EU halbwegs vernünftig weiterwursteln kann. Außerdem folgte nach jeder Krise seit dem französischen Veto gegen die Europäische Verteidigungsgemeinschaft 1954 die „Relance“, der Wiederaufschwung. „WmdW“ träumt davon, dass das Scheitern dieser „Verfassung“ zu einer richtigen führt: nicht mit 250 Seiten, sondern mit einer kleinen Zahl von Artikeln, die jedermann verstehen kann.

Ein Wort zum deutschen Außenminister …

Nach der Anhörung gilt: Habemus Joschkam, noch immer. Er wird weder zurücktreten noch zurücktreten müssen. Was einen nicht umbringt, macht ihn stark. Schön wär’s, wenn er jetzt, ein wenig ernüchtert, wieder voll in seinen Job als Außenminister einsteigen könnte. Denn es gibt viel zu glätten an der gegenwärtigen deutschen Außenpolitik: von den allzu guten Beziehungen zu Putin bis zu den noch immer nicht guten Beziehungen zu Bush.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: cvm

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar