Politik : Was macht die Welt?

Könige morden und Korea einfangen

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Tony Blair darf seine dritte Amtszeit antreten. Wird er sich nun um seinen Platz in den Geschichtsbüchern kümmern?

Eher darum, dass er noch möglichst lange im Amt bleiben kann, bevor ihn sein „Parteifreund“, der Schatzkanzler Gordon Brown, aus 10 Downing Street verdrängt. Die Chance eines längeren Verbleibs ist allerdings mit den Sitzen gefallen, die Labour in dieser Wahl im Vergleich zur letzten verloren hat. Der Vorsprung hat sich etwa halbiert, was bedeutet, dass Blair eher früher als später den Schlüssel zu Number 10 abgeben muss. Andererseits, wie Harold Wilson, ein Vorgänger Blairs, doziert hat: 24 Stunden sind eine lange Zeit in der Politik; es kann also noch viel passieren. Und Brown ist so ambitioniert und ungeduldig, dass er beim „Königsmord“ strategische Fehler begehen könnte. „Was macht die Welt?“ tippt auf zwei bis drei weitere Jahre für Blair.  

Die USA wollen bei der Überprüfungskonferenz den Atomwaffensperrvertrag verschärfen. Ist der angesichts der Nuklearprogramme in Nordkorea und Iran überhaupt noch zu retten?

Der Sperrvertrag wurde 1968 geschlossen; seitdem sind zwei offizielle Atommächte dazugekommen: Indien und Pakistan. Trotzdem lebt der Vertrag weiter. Aber im Grunde zielt die Frage in die richtige Richtung. Denn je mehr Atommächte hinzukommen, desto schneller wächst der Anreiz, es ihnen nachzutun. Wenn Nordkorea tatsächlich Atommacht wird, werden Südkorea und Japan geschärft über eine eigene Bombe nachdenken. Wenn Iran die Bombe bekommt, wird das die Atomrüstung Pakistans beschleunigen und die Versuchung Ägyptens, Iraks und Saudi-Arabiens verstärken. Die Israelis werden sich dann ganz offen zur Bombe bekennen und entsprechend höherrüsten. Besser wir fangen Teheran und Pjöngjang noch ein.  

Am Donnerstag werden 40 Jahre deutsch-israelischer Beziehungen gefeiert. Wie sehen die in 40 Jahren aus?

Der berühmteste aller amerikanischen Baseballspieler, Yogi Berra, pflegte solche Fragen so zu beantworten: „Ich mache nie Voraussagen, und schon gar nicht über die Zukunft.“ Denken wir 41 Jahre zurück: Da war der Diplomatenaustausch mit Israel hier tabu, weil man die Araber nicht ärgern wollte – und ein Jahr später waren die Beziehungen plötzlich da. Man kann sich nur wünschen, dass sie in 40 Jahren mehr von der Zukunft als von der Vergangenheit getragen werden.  

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik …

Die starrt jetzt gebannt auf den Ausgang der NRW-Wahlen und des französischen EU-Referendums. Fällt die NRW-Bastion der SPD, wird das Ende der Regierung Schröder noch wahrscheinlicher. Kippt die EU-Verfassung, beginnt der langwierige Prozess einer neuen Gestaltung. Fazit: eine lahm geschlagene Regierung hier, ein eingebeultes Europa dort. Wir reden weiter nach der nächsten Bundestagswahl.  

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: clw.

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