Politik : Was macht die Welt?

Vollschlanke im Wahlkampf und Amerikas Liebe zur Pizza

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Die Welthandelsorganisation will Beitrittsverhandlungen mit Iran beginnen. Wird das die Mullahs davon abhalten, die Bombe zu bauen?

Den Weg zum Atomprogramm hatte bereits OberMullah Reza Schah Pahlevi in den 70er Jahren beschritten. Die iranischen Nuklear-Ambitionen haben also eine lange Geschichte. Trotzdem ist die Nichtverbreitung vor allem eine Sache der Verlangsamung, und da haben die USA einen wichtigen Schritt getan, als sie plötzlich ihr „Nein“ zur WTO-Mitgliedschaft Teherans aufhoben. Dahinter steht die gänzlich ausgesprochene Hoffnung, den Weg zur Bombe so weit wie es nur geht zu verlängern. Die Konzession war deshalb auch die Belohnung für Irans Versprechen, seine Nuklear-Aktivitäten „einzufrieren“.

Die Hispanics sind inzwischen die größte Minderheit in den USA und stellen nun den Bürgermeister von Los Angeles. Werden sie das Land verändern?

Jede Einwanderergruppe hat das Land verändert. Nach den Engländern kamen die Deutschen; seitdem gibt es „sourkraut“ in den USA. Dann die Iren, die den Amis die Einparteien-Herrschaft über die Stadt- und Polizeiverwaltung schenkten. Die Juden erfanden Hollywood, die Schwarzen eine Musiktradition von Blues bis Hip-Hop. Die Italiener brachten Pizza, Frank Sinatra und die Mafia mit, dazu den Atomphysiker Enrico Fermi. Die Hispanics haben Amerika längst verändert – siehe Tacos, Jennifer Lopez und die kubanische Vorherrschaft in Miami. Wie Amerika seine Einwanderer zugleich „amerikanisiert“ und von ihnen kulturell profitiert hat, ist ein Kunststück, das Europa noch lernen muss.

Präsident Bush gibt dem Palästinenserführer Abbas 50 Millionen Dollar. Ist das der Auftakt einer neuen Nahost-Politik?

Na klar doch. Bush hat mitgeholfen, den ewigen Jein-Sager Arafat zu diskreditieren und so beachtliche demokratische Prozesse bei den Palästinensern auszulösen. Das war just der „regime change“, der auch den Irak-Krieg animierte. Logischerweise stützt er jetzt den Arafat-Erben Abbas, der von der alten Garde der Fatah und der machtheischenden Hamas bedrängt wird, die jederzeit den Terror-Knüppel schwingen kann. Ob’s funktioniert? Inschallah.

4. Ein Wort zum deutschen Außenminister …

Einen neuen Gipfel der Geschmacklosigkeit hat jene großflächige Boulevard-Zeitung erklommen, als sie Fischer für „zu fett für den Wahlkampf“ befand. Der Mann muss essen, weil er sich im Amt verzehrt. Außerdem: Wie gut die Beleibten Wahlkampf führen können, hat H. Kohl 1990 und 1994 gegen die Mager-Männer der SPD, Oskar Lafontaine und Rudolf Scharping, bewiesen. Als „Vollschlanker“ protestiert „WmdW“gegen derlei Verunglimpfung im Namen aller Übergewichtigen (ein Drittel der Deutschen).

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“ .

Fragen: mos

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