Politik : Was macht die Welt?

Ein neuer Dichterpremier in Paris und Fischer als Professor

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Afrika soll entschuldet werden – aber nicht ohne Bedingungen. NeoKolonialismus oder Hilfe zur Selbsthilfe?

Nein, nicht Neo-Kolonialismus, sondern praktische Vernunft. Wenn einfach entschuldet wird, wissen die Geberländer, dass dies künftig abermals passieren wird. Ergo werden sie sehr zögerlich bei der Vergabe neuer Darlehen sein. (Keine Bank würde einem Menschen Geld leihen, wenn sie wüsste, dass in der Zukunft eine Entschuldung dräut.) Zweitens hat Entwicklungshilfe nur eine sehr schwache Erfolgsgeschichte. Das Geld geht an das Regime, das sich damit Waffen oder Gefolgschaft kauft. Es erspart Reform und kluges Wirtschaften. Folglich darf Entwicklungshilfe kein Blankoscheck sein. Beweis: Wie viel Geld ist schon nach Afrika geflossen – und wie viel Entwicklung hat es befördert?

Frankreichs neuer Dichterpremier redet wieder von einem deutsch-französischen Kerneuropa. Was bringt uns eigentlich noch die Achse Paris-Berlin?

Schöne Träume wie die vom Hofdichter V. Dieses „Tandem“ hatte einen Sinn, solange Deutschland und Frankreich noch den „Motor“ für Europa abgaben. Heute haben sie sich zu einer Stillstands- und Abwehrallianz zusammengetan und verstärken gegenseitig ihre Schwächen – wie zwei müde Boxer im Clinch. Es ist Zeit, sich aus dieser Umklammerung zu lösen – umso mehr, als Resteuropa diesem machtheischenden Duo nicht mehr traut. Das Tandem ist un-, ja kontraproduktiv geworden.

Joschka Fischer hat sich in Washington mit dem Plan für einen UN-Sicherheitsratssitz eine Abfuhr geholt. Wird sein Nachfolger mehr Erfolg haben?

Die Bushies hätten mit Merkel & Co. keine Rechnung mehr wegen des Irak-Krieges zu begleichen (was Schröder hätte bedenken müssen, als er Mr. Big zu Fall zu bringen suchte). Anderseits: Warum sollte Europa einen dritten Sitz im Sicherheitsrat bekommen, wo doch zwei schon zu viel sind im Vergleich zu keinem für Indien, Japan u.a.? Zweitens: Für Peking sind Fünfe eine schöne gerade Zahl, für London und Paris auch. Wer will schon seine Macht verwässern, wenn er nicht muss? Und wer soll sie zwingen? Wenn die Dritte Welt schon auf die Barrikaden gegen die Fünf geht, dann doch nicht für Deutschland, sondern für Indien, Brasilien, Südafrika oder Ägypten.

Ein Wort zum deutschen Außenminister …

Fischer hat gerade ein gelehrtes Buch über die Weltläufte geschrieben. Nicht ganz so gelehrt wie Kissingers „Diplomacy“, aber spannender als Genschers Erinnerungen. Hier könnte eine neue Karriere ihren Anfang nehmen. Fischer müsste bloß sehr viel mehr Fußnoten einfügen und eine Habil-Schrift daraus machen. Dann könnte er (im Fall des Falles) seiner Dozier-Leidenschaft als Prof frönen. Eine Gastprofessur in Harvard ist das Mindeste, das ihm winkt.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mos

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