Politik : Was macht die Welt?

Der Kontinent braucht „New Europe“ und Schröder ein Stipendium von Bush

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Tony Blair stellte vor dem EUParlament seine Vision von Europa dar. Kommt nach „New Labour“ nun „New Europe“?

Schön wär’s, wird doch das Alte Europa ebenso wenig mit dem Ansturm der Zukunft fertig werden wie einst Old Labour, das 15 Jahre lang in der Opposition schmachten musste. Tony hat leider Recht, wenn er vor dem „Niedergang auf der gesamten Linie“ für den Fall warnt, dass Europa nichts anderes einfällt, als bloß „zusammenzurücken, um so der Globalisierung zu entgehen“. Europa möge sich „nicht dem Wandel verweigern und dafür Zuflucht im Status quo suchen“. Doch träumt das Alte Europa lieber von der Windstille als von der Manövrierfähigkeit. „Schot- und Mastbruch“ rufen die Segler, wenn sie einem viel Glück wünschen. Viel Glück wird auch das Alte Europa brauchen, wenn es auf Chirac und Juncker statt auf Blair hört.

Condoleezza Rice bezeichnete bei ihrem Ägyptenbesuch die westliche Nahostpolitik als gescheitert. Muss sich der US-Verbündete Mubarak nun wärmer anziehen?

Doch nicht in einer Gegend, wo derzeit 35–40 Grad herrschen! Prinzipiell hat „Condi“ schon Recht, wenn sie konstatiert: „60 Jahre lang hat Amerika Stabilität vor Demokratie gesetzt und weder das eine noch das andere erreicht.“ Die Unterdrückung hat just die islamistische Bedrohung gezeugt, die wir heute ins Feld führen, um freie Wahlen abzubiegen. Dieser Teufelskreis muss gekappt werden. In der Praxis wird man aber nicht den demokratischen Umsturz predigen, sondern langsam vorgehen – wie in den kleinen Golfstaaten, wo die Reformen in kompakten, aber stetigen Portionen serviert werden, zum Beispiel das Frauenwahlrecht in Kuwait.

Heute weilt Schröder wohl zum letzten Mal als Kanzler in Washington. Was sollte ihm Bush zum Abschied schenken?

Ein Stipendium an einem Think Tank in Washington. Dort, in der Vielfalt der Debatte, könnte Schröder ein komplexeres Amerikabild entwickeln. Außerdem wäre er der Star der Hauptstadt, der sich vor lukrativen Vortragseinladungen nicht mehr retten könnte. 20000 bis 50000 Dollar pro Abend sind schon drin. So käme er vielleicht gar als Prophet der Marktwirtschaft zurück.

Ein Wort zum deutschen Außenminister ...

Schröders Problem wäre bloß, dass Joschka Fischer auch andauernd in Washington wäre, wo er ein gern gesehener Gast ist, zumal er gutes Englisch spricht. Anderseits scheint Fischer noch nicht so politikmüde zu sein; WmdW? wettet deshalb, dass er der Unionsregierung von der vordersten Oppositionsbank zusetzen wird. Ein Gewinn für die Demokratie, geht es doch derzeit im Bundestag nicht immer sehr spannend zu.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: clw/mos

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