Politik : Was macht die Welt?

Vietnam vermeiden, Investoren abschrecken und überhöht einkaufen

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Präsident Bush hat seine Nation um Geduld für die Entwicklung im Irak gebeten. Wann wird die den Amerikanern ausgehen, wie damals bei Vietnam?

John F. Kennedy schickte die ersten „Berater“ 1961 nach Vietnam, Lyndon Johnson eskalierte mit einer halben Million Soldaten, 1975 warfen die USA das Handtuch – nach 14 Jahren und 60000 Toten. Dagegen Irak: Der Krieg ist erst zwei Jahre alt, die Zahl der Toten beträgt 1700. Wichtigster Unterschied: Damals kämpfte eine Wehrpflicht, heute eine Berufsarmee, die nicht so viel inneren Widerstand auf sich zieht. Zweiter Unterschied: Südostasien hatte bei weitem nicht den strategischen Wert wie der Nahe Osten. Das weiß Bush, das weiß auch das Volk, das wird auch sein Nachfolger wissen. Der Abzug aus Vietnam hat die Weltmachtrolle der USA kaum beschädigt, die Kapitulation im Irak würde ihr einen mörderischen Schlag versetzen.

Die Wahl des ultrareligiösen Ahmadinedschad zum Präsidenten Irans hat im Westen Beunruhigung ausgelöst. Kann es eigentlich noch schlimmer werden?

Es kann, wie der Absturz der Teheraner Börse nach dessen Wahl zeigt – der tiefste ihrer Geschichte. „Was macht die Welt“ denkt jetzt dialektisch: Der Triumph der Reaktion in Iran wird die heftigste Krise in der Mullakratie seit der Revolution (1979) auslösen, zumal die Dissidenten wüssten, dass zwei Drittel des Volkes hinter ihnen stehen. Zugleich wird sich die Wirtschaftskrise noch verschärfen, weil sich das Land noch mehr abschotten und Investoren abschrecken wird. Dann merken die Ahmadinedschad-Wähler, die Armen, dass sie gefoppt worden sind. Die Wahl ist der Beginn einer vor-revolutionären Phase, und deshalb wird alles noch schlimmer werden, womöglich aber einen demokratischen Umsturz auslösen.

Die Chinesen haben erst Teile von IBM übernommen, nun wollen sie sich auf dem amerikanischen Ölmarkt einkaufen. Droht der amerikanischen Wirtschaft eine feindliche Übernahme?

Wer hat zwölf Billionen Dollar, um die zu kaufen? So groß ist die US-Wirtschaftsleistung, und das Gesamtvermögen ist x-fach größer. Das chinesische BIP beträgt 1,5 Billionen. Wir haben schon mal in den 80ern geglaubt, dass die Japaner den Takeover vollziehen. Stattdessen haben sie bloß zu überhöhten Preisen eingekauft (etwa das Rockefeller Center), genauso wie heute die Chinesen, die kein gutes Auge für Preis-Leistungs-Verhältnisse haben.

Ein Wort zum deutschen Außenminister …

Wer den in der Misstrauens-Debatte am Freitag beobachtet hat, sah Bundes-Joschka in Hochform. Die Rolle als Parlaments- und Wahlkämpfer liegt ihm besser als die des Außenministers, möchte „Was macht die Welt“ meinen. Er sagt ihm eine beachtliche Oppositionskarriere voraus.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

Fragen: clw/mos

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