Politik : Was macht die Welt?

Al Qaida will die Kriegskoalition spalten – und Chirac noch mal ran

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In der britischen LabourPartei melden sich die Ersten, die im Irakkrieg die Gründe für den Terror in London sehen. Ist es das, was Al Qaida erreichen wollte?

Die Londoner Terror-Attacke passt im wahrsten Sinne „unheimlich“ gut zu einem Al-Qaida-Plan von 2003, der die Irak-Koalition spalten sollte. Spanien war die Nummer eins auf der Hit-Liste, und der Plan sah präzise voraus, dass der Anschlag von 2004 die Siegeschancen der Konservativen schwächen und zum Abzug der Spanier aus dem Irak führen würde. Gleiches sei auch in England zu schaffen. Nach London zirkulierten im Internet Botschaften, die als nächste Zielscheiben Dänemark und Italien nannten. Deutschland auch? Immerhin stehen deutsche Truppen in Afghanistan.

Jacques Chirac quält sich von Niederlage zu Niederlage, hält sich aber offen, 2007 noch einmal anzutreten. Altersstarrsinn?

Es gibt auch deutsche Beispiele: Adenauer musste 1961 gezwungen werden, zwei Jahre später abzutreten; da war er 89 Jahre alt. Kohl trat 1998 noch einmal

an, um aus 16 Jahren Amtszeit 20 zu machen. Warum sollte Chirac nicht seine sieben verdoppeln wollen? „L’ etat c’est moi“ ist schließlich eine französische Erfindung (Ludwig XIV.). Die Amis sind auch hier schlauer. Erstens begrenzen sie die Präsidentschaft auf zweimal vier Jahre, und zweitens werden Ex-Präsis mit Vortragswünschen und Aufsichtsratsmandaten überhäuft. Pariser Wahl-Monarchen aber müssen sich auf ihre Datscha zurückziehen.

Der wichtigste Spin-Doctor von George W. Bush, Karl Rove, soll eine CIA-Agentin enttarnt haben. Ist er noch zu halten?

Dass die Enttarnung direkt aus dem Weißen Haus kam, wussten wir schon immer. Dass es aber der Chefstratege zweier Bush-Siege gewesen sei, ist der Hammer. Wenn er’s war, muss er gehen. Man kann nicht die Reporterin der New York Times, Judith Miller, in den Knast stecken, weil sie ihre Quellen schützt, und die Sprudler laufen lassen. Rove zu entlassen, würde aber Bush nicht schwer fallen, weil die Verfassung eine dritte Amtszeit verbietet, ein weiterer Wahlkampf also unnötig ist.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik …

Es sieht sehr danach aus, als wenn diese die „Kampfabstimmung“ um eine Erweiterung des UN-Sicherheitsrates verlieren wird. Wenn dem so ist, muss man sich fragen, welche Schlauberger Schröder und Fischer diesen Gang auf die Verliererstraße angeraten haben. Wie konnte unser Mann bei der UN glauben, dass Berlin den Rest der Welt gegen die USA aufwiegeln könne, wo doch China und Russland ebenfalls kein Interesse an einem Machtverlust haben? Wenn die Chose tatsächlich platzt, werden einige Spitzenleute im AA und Buka-Amt in die Registratur verbannt werden müssen.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: clw

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