Politik : Was macht die Welt?

Weiter chinesische T-Shirts kaufen und (mit Indien) China eindämmen

-

Je näher Israels Abzug aus Gaza rückt, desto gewalttätiger wird der palästinensische Terror. Wer wird in Zukunft die Macht in Gaza haben?

Das musste so kommen, weil jetzt die Machtfrage die nationale überwältigt. Einerseits: Mahmud Abbas, der Präsident der PalästinenserBehörde, besitzt nicht den Killerinstinkt, um Hamas zu dezimieren. Andererseits: Es ist nicht so klar, dass Hamas wirklich die Oberhand hat. Also wird es zu labilen Kompromissen kommen, die der palästinensischen Sache nicht weiterhelfen werden. Wer wird schon in Gaza investieren wollen, solange es keinen vernünftigen Staat gibt, der Rechtssicherheit gewährleistet? Es wäre wirklich tragisch, wenn sich erneut das eiserne Gesetz palästinensischer Politik  bewahrheiten würde: Dass sie nie eine Chance verpassen, eine Chance zu verpassen.

China wertet den Yuan auf. Werden die Produkte aus dem Reich der Mitte in Zukunft also nicht mehr so konkurrenzlos billig sein? 

Zwei Prozent Aufwertung ist ein Witz. Künftig darf der Yuan auch nur minimal steigen, um 0,3 Prozent pro Tag, und mit ihren gewaltigen Währungsreserven (800 Mrd. Dollar) wird die Zentralbank eine marktgerechte Aufwertung zu verhindern wissen. Wie dem auch sei: Chinas Vorteil liegt in seinen niedrigen Löhnen. Im Grunde kann auch die gröbste Aufwertung nicht die Konkurrenzfähigkeit des Westens bei Textilien, Schuhen, Elektronik und bald auch Autos wiederherstellen. Gerade die Deutschen mit ihrem hohen Industrieanteil (knapp 30 Prozent des BIP) werden sich sputen müssen, um auf britische oder US-Verhältnisse zu kommen (15-17 Prozent). Hochlohnländer können ihren Lebensstandard nur noch mit einem hochproduktiven Dienstleistungssektor halten.

Indiens Premier wurde in Washington gefeiert. Wäre es besser, der Westen setzte mehr auf den demokratischen Riesen Indien statt auf das diktatorische China? 

Was heißt hier „besser“? Die USA tun es doch schon. Bush hat den Indern ihren atomaren Sündenfall von 1974 vergeben und verheißt nun die friedlich-nukleare Zusammenarbeit. Amerika und Indien teilen die gleichen realpolitischen Interessen: die Eindämmung des unruhigen chinesischen Giganten. Europa ist wie üblich nicht dabei, wenn ein neues geopolitisches Spiel eingefädelt wird. Aber wer braucht die EU schon? Weltpolitik wird jetzt auf einer Bühne weit hinten im Osten gemacht.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik ...

Außenpolitik heißt jetzt mehr denn je Wirtschaftspolitik. Wenn Deutschland in der Weltliga mitspielen will, muss es sich fit machen für den Konkurrenzkampf mit Asien und Amerika. Leider werden Lafo & Gysi mit ihren rückwärts gewandten Utopien dafür sorgen, dass dies noch langsamer passiert – egal, welche Farbkombination in Berlin regiert.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: clw.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben