Politik : Was macht die Welt?

Schäuble besucht Bush und die IRA müsste zur Umschulung

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Über 45 Minuten Zeit nahm sich USPräsident George W. Bush für Wolfgang Schäuble – obwohl der nur Fraktionsvize der Union ist. Sprach er mit dem künftigen deutschen Außenminister?

Na ja, da sind auch noch die Herren Stoiber und Westerwelle. Die sind keine Außenpolitiker? Der jetzige Verteidigungschef Struck hatte auch nicht viel Ahnung von Sicherheitspolitik, als er Verteidigungsminister wurde. Schäubles Ehrung durch George W. Bush und den Sicherheitsberater Steve Hadley ist noch keine Salbung. Sie signalisiert nur, dass die Bushies viel lieber die Schwarzen an der Macht sähen als die Roten. Wie das Nein zum deutschen Sicherheitsratssitz ist auch diese beispiellose Geste (normalerweise werden Oppositionspolitiker ohne Rang nichts ins Weiße Haus geladen) Payback für Schröders unbedachte anti-amerikanische Politik 2002/2003. Falls die Union an die Macht kommt, wird sie die Gewichte weg von Paris und etwas weiter Richtung Washington verschieben.

Die Terrororganisation IRA will den bewaffneten Kampf beenden. Ist das das Ende des Nordirlandkonflikts?

Nein. Die IRA hatte schon einmal, 2000, versprochen, ihre Waffen abzuliefern, weigerte sich aber gegen Überprüfung. WmdW erinnert sich noch an die Bilder von damals. Abgegeben wurden lauter Weltkrieg-II-Waffen, nicht das moderne Kriegsgerät. Auch heute will die IRA keine professionellen Kontrolleure zulassen, nur Geistliche. Es gibt keinen Termin für Beginn und vor allem keinen für den Abschluss der Operation. Und niemand redet von der Auflösung der IRA, die noch vor einem halben Jahr den größten Bankraub in der britischen Geschichte abgezogen hat. Leute, die von Waffengewalt leben, gehen nicht plötzlich in die Umschulung.

Die Japaner wollen ihren UN-Beitrag senken, wenn sie nicht in den Sicherheitsrat kommen. Ein Modell auch für Deutschland?

Das wäre das Dümmste überhaupt, würde es doch beweisen, dass es Berlin nicht um die UN, sondern bloß um glitzernde Epauletten für sich selber geht. Bislang genoss Deutschland den höchsten Respekt am East River. Der nächste UN-Botschafter wird viele Scherben kleben müssen, die sein Vorgänger mit seiner pseudo-schlauen Taktik hinterlassen hat.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik …

Es sieht so aus, als war der Griff zur Sitzmacht (in der UN) ein ähnliches Unterfangen wie Wilhelm Zwos „Neuer Kurs“ und „Weltpolitik“. Eine Mischung aus grobschlächtiger Diplomatie und der Unfähigkeit, gute Gründe für die Erhöhung Deutschlands zu liefern. Einfach einen „Platz an der Sonne“ zu fordern, reicht nicht aus, um die Welt vom Führungsanspruch Deutschlands zu überzeugen. Die anderen müssen davon überzeugt werden, dass Deutschland Gutes nicht nur für sich selber, sondern auch für den Rest der Welt tun will und kann.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mos

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