Politik : Was macht die Welt?

Keine Entschuldigung für Hiroshima und die Scheindemokratie der UN

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Keine amerikanische Regierung, nicht einmal Bill Clinton, hat sich bisher für die Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki entschuldigt. Wäre es nicht an der Zeit?

Womöglich wäre es an der Zeit, wenn sich die Japaner dazu durchringen könnten, sich deutlichen Wortes für die Massaker an Zivilisten, inklusive Städtebombardements in den 30er Jahren in China und anderswo zu entschuldigen. Zivilisten wurden im Zweiten Weltkrieg millionenfach gemordet. Bekanntlich aber waren es nicht die Amerikaner und Briten, die den Krieg mit dem Bombardement von Warschau begannen und dann Rotterdam und London und Pearl Harbor ins Bombenvisier nahmen. Waren Hiroshima und Nagasaki „nötig“? Nein, wenn die USA 200 000 tote Soldaten in Kauf genommen hätten, wie sie damals glaubten, um sich nach Tokio durchzukämpfen. Ein übles Kapitel der Kriegsführung, das sich nie mehr wiederholen darf.

Mit dem Tod von König Fahd übernimmt nun Abdullah auch offiziell die Macht in Saudi-Arabien. Hat er jetzt bessere Möglichkeiten, seinen Kurs der sanften Reformen voranzubringen?

Saudi-Arabien ist ein Gleichgewichtssystem mit ca. 5000 Einzelgewichten namens „Prinzen“ – etwa wie die CDU/CSU, die allerdings nicht ganz so viele Potentaten hat. Da verschiebt sich nichts schnell, denn jeder darf mitreden. Abdullah wird auch nicht das Bündnis mit den Wahabiten auflösen, der reaktionärsten Sekte des Islam. Schließlich liegen die „Produktionsmittel“, das Öl, in den Händen des Regimes, und wo es kein aufsteigendes Bürgertum gibt, gibt es auch keine richtige Demokratisierung

Die Afrikaner haben den Kompromissvorschlag der G4 für die Erweiterung des UN-Sicherheitsrates abgelehnt. Das Aus für die deutschen Ambitionen?

Die Afrikaner waren bloß Teil der Illusion, der Schröder und Fischer aufgesessen sind. Sie glaubten, mit einer Kampfabstimmung in der UN-Generalversammlung erzwingen zu können, was spätestens am Veto der fünf Großen im Sicherheitsrat gescheitert wäre. Merke: Die UN ist nur scheinbar eine demokratische Institution, wo angeblich das Prinzip „one nation, one vote“ regiert. Tatsächlich sind die großen Fünf gleicher als alle anderen, und die finden den Status quo ganz herrlich.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik ...

Die findet zurzeit wegen Wahlkampf nicht statt, zumal Rot-Grün keinen Irak-Krieg an der Hand hat, mit dem sie Stimmungen im Inneren zu ihren Gunsten mobilisieren könnte. Und Washington wird sich hüten, einen Anlass zu liefern, der Angela Merkel das Konzept vermasseln könnte. Klugerweise hat sie sich nicht selber, sondern den einst von ihr abgeschobenen Wolfgang Schäuble zu Bush geschickt. So wird die Distanz gewahrt, eine Angriffsfläche vermieden.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit. Fragen: clw

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