Politik : Was macht die Welt?

Bomben bauen, Spiele spielen und Stoiber in den Osten schicken

-

Heute beginnt der israelische Rückzug aus Gaza. Wird der Landstreifen am Mittelmeer nun zur Brutstätte des Terrorismus, wie Benjamin Netanjahu behauptet?

Alles ist möglich, zumal a) die Machtfrage zwischen Hamas und Abbas nicht entschieden ist und b) die Palästinenser stets mehr Kreativität im Destruktiven als beim Aufbau gezeigt haben. Aber „Was macht die Welt“ mag derzeit nicht in den Chor der Pessimisten einstimmen. Die Palästinenser haben eine Chance, einen Staat zu zimmern. Sie werden Dollar/Euro satt bekommen, weil die Welt ein Interesse am Erfolg dieses Experiments hat. Und sie wissen, dass ihre strategische Lage nach dem Abzug schlechter sein wird. Setzen sie auf Terror, kann die israelische Armee viel einfacher in Gaza operieren, weil sie nicht mehr die weit verstreuten Siedlungen schützen muss.

Die Internationale Atomenergiebehörde will Iran noch eine Chance für Verhandlungen geben. Macht sich die IAEO mit dieser Milde nicht langsam lächerlich?

Nicht lächerlicher als die EU, die mit immer besseren Angeboten den Iranern jahrelang auf den Leim gegangen ist. Der Realismus besagt, dass die Iraner nach der Bombe greifen – und dies schon seit des Schahs Zeiten. Nur ein gezieltes Bombardement kann sie noch aufhalten, aber die Amerikaner trauen sich nicht, weil sie die Hände im Irak voll haben, und die Israelis schaffen es nicht, weil ihnen trotz einer superben Luftwaffe die Mittel fehlen. In vier, spätestens acht Jahren wird Iran die Bombe haben; da beißt keine IAEO-Maus den Faden ab.

Großbritannien weist Hassprediger aus. Sind die weniger gefährlich, wenn sie im Ausland agieren?

Diese Frage erfordert das beliebte Einerseits-Andererseits-Spiel. Einerseits: Je weniger Agitatoren im Land, desto geringer die Zahl jener, die den britischen Muslimen den Kopf verdrehen können. Andererseits: Je mehr sich die Muslim-Gemeinde verunglimpft fühlt, desto mehr Auftrieb haben die Gestörten, die ihren Lebenszweck im Selbstmord sehen. Wiederum andererseits: Stolz auf ihre wunderbaren Freiheiten, haben die Briten das Terroristen-Umfeld zu lange in Ruhe gelassen. Etwas mehr Überwachung wird im Abwehrkampf nicht schaden.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik …

Ist die Ex-DDR Ausland? Die Einlassungen der ansonsten hoch geschätzten Herren Schönbohm und Stoiber klingen so. „Die da“ sind verwahrloster als wir, außerdem wollen sie unsere Wahlen entscheiden. Wir sollten möglichst bald einmarschieren und für Ordnung sorgen. Was – wir sind schon dort? Warum sind die dann nicht „so wie in Bayern“? Dann „hätten wir überhaupt keine Probleme“, wie Stoiber sagt. Die Lösung? Er wird Regierungschef von Meck-Pomm.

Der Autor ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: clw.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben