Politik : Was macht die Welt?

Der Kanzler hat Pech – seine Anti-Bush-Karte sticht diesmal nicht

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Der irakische Verfassungsvorschlag konnte nicht fristgerecht vorgelegt werden, die Anschläge gehen weiter, und immer mehr Amerikaner sehen den Krieg kritisch. Könnte George W. Bush bald zum Abzug gezwungen sein?

Das wäre eine Niederlage, die Vietnam als kleinen Verkehrsunfall mit Blechschaden erscheinen ließe. Deshalb werden die USA nicht das Handtuch werfen, zumal ihre eigenen Opfer im Vergleich zu denen der Iraker gering sind. Wahrscheinlicher sind zwei andere Szenarien. 1. Die USA machen einen Deal mit den Sunnis, der sie von den fremden Terroristen abspaltet. 2. Sie lassen Schiiten und Kurden freie Hand bei ihrem Rachefeldzug gegen die Sunniten (15 Prozent) und die Saddamisten. Das erste ist klüger und wahrscheinlicher.

Selbst Wladimir Putin hat am ersten großen chinesisch-russischen Militärmanöver teilgenommen, bei dem eine Eroberung geprobt wurde. Müssen die USA sich in Asien herausgefordert fühlen?

Wir wollen Symbolik nicht mit Substanz verwechseln. Peking und Moskau bleiben füreinander die ärgsten Rivalen, und jeder wird darauf achten, die USA nicht als potenziellen Verbündeten gegen den jeweils anderen zu verlieren. Manöver sind, wie der Begriff schon sagt, Manöver – der diplomatischen, symbolischen und psychologischen Art. Will China seinen 150 Milliarden Dollar Handelsüberschuss für Russland riskieren?

Israel räumt den Gazastreifen planmäßig. Und was wird aus der Westbank?

Erst einmal gar nichts. Der Aufstand der Siedler gilt ja nicht Gaza, sondern der Westbank. Gaza, das ist kein Rückzugsgefecht, sondern die glaubhaft inszenierte Drohung mit dem Bürgerkrieg in der nächsten Runde. Andererseits: Die 200000 Siedler dort können das ganze Israel nur zur Geisel nehmen, wenn die Palästinenser sich mit ihnen „verbünden“, indem sie auf Terror im Kernland statt auf eine gedeihliche staatliche Zukunft setzen.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik…

Interessant ist diesmal, dass Schröders Anti-Bush-Karte, die 2002 so gut funktioniert hat, nicht sticht. Die Meinungsumfragen jedenfalls rütteln nicht an dem 42-Prozent-Block der Union. Hat das Wahlvolk verstanden, dass man im Moment, da Teheran eine Provokation nach der anderen ablässt, nicht auf den Verbündeten eindreschen soll, der in der Bombenfrage die gleichen Interessen hat? Vielleicht. Gewichtiger aber ist das Innere: Egal, wie oft die CDU stolpert und die CSU böllert, will die Hälfte der Nation nicht mehr von Rotgrün regiert werden. Dafür wird sie in Joschka F. einen so feurigen wie unterhaltsamen Oppositionsredner bekommen. Das wäre gut für eine Nation, deren parlamentarische Prozesse sich in die Talkshows verlagert haben. Gut auch für den Sender Phoenix, der so einen gewaltigen Quotenauftrieb erleben wird.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Die Fragen stellte clw.

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