Politik : Was macht die Welt?

Neue deutsche Außenpolitik – jenseits von Genscher und Kinkel

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Die Bundestagswahl ist vorbei. Wen wünscht sich „Was macht die Welt?“ als neuen Außenminister?

Joschka F. war nicht der schlechteste, wenn man an Vorgänger wie Heinrich von Brentano (unter Adenauer) denkt. Nicht wen, sondern was wünscht sich WmdW? Er/sie sollte fließend Englisch sprechen; das gibt ihm Zeit zum Nachdenken, derweil der Dolmetscher plappert. Er sollte keinen Großmachtsillusionen nachhängen, also den UNSicherheitsratssitz vergessen. Er sollte nicht so füchsisch wie Genscher, nicht so treuherzig wie Kinkel sein. Er sollte das vermurkste Verhältnis zu Amerika gerade biegen können – und etwas weniger herzlich als Schröder und Kohl im Umgang mit Potentaten wie Putin oder Hu sein. Nach dem Fiasko mit der Verfassung sollte er vor allem Europa wieder auf die Beine helfen. Das Ziel soll kein hochfliegender Traum vom Bundesstaat sein, sondern die Perfektion des Binnenmarktes.

Der Bundestag hat die Ausweitung des Afghanistan-Mandats beschlossen. Wie lange soll Deutschland seine Sicherheit am Hindukusch verteidigen?

Eine ganz prinzipielle Antwort: Wer reingeht, muss wissen, dass er drinbleiben muss. Das ist in Bosnien so und in Afghanistan auch. Allein die militärische Präsenz stärkerer Länder sorgt dafür, dass „gescheiterte Staaten“ halbwegs im Lot bleiben. Die zynische Antwort ist, dass wir auf vorgeschobenen Posten indirekt für die eigene Sicherheit sorgen. Je stabiler nämlich die Situation, desto weniger Flüchtlinge, die nach Europa und Deutschland drängen. Es war nicht nur der rein humanitäre Impuls, der deutsche Truppen auf den Balkan schickte. Vor allem wollten die Berliner die Lage dort so weit stabilisieren, dass Hunderttausende von Flüchtlingen zurückkehren konnten.

Afrikanische Flüchtlinge riskieren ihr Leben, um nach Europa zu gelangen. Brauchen wir höhere Grenzen?

Siehe Frage 2. Vor allem müssen wir mithelfen, Sicherheit und Ordnung in den Problemländern herzustellen, damit die Flüchtlingsströme wenigstens schmaler werden. Das Kriterium ist so simpel wie schwierig: Dieses Land kann seine Augen nicht vor den Schrecken der Welt verschließen. Aber die Integrationsgeschwindigkeit muss höher sein als die der Immigration. Die Richtschnur kann nicht „Multikulti“ sein, weil es so hübsch und bunt ist. Sondern: Wie bringen wir den Neuen die kulturellen Fähigkeiten bei, damit aus Einwanderern Bürger werden?

Ein Wort zu Amerika...

Interessantes zum Thema Globalisierung: Hier werden inzwischen auch Anwaltsjobs „ausgesourced“. 20000 sind bereits nach Indien „ausgewandert“ – kein Wunder, wenn ein US-Jurist zehnmal mehr pro Stunde kostet als ein indischer. Merke: Globalisierung hat längst auch die höheren Berufe erfasst.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“ und lehrt in Stanford. Fragen: mal

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