Politik : Was macht die Welt?

Die IAEO loben und Bush im nächsten Sturm sehen

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Der Friedensnobelpreis geht an die IAEO und ihren Chef. Verdientermaßen?

Es gab schon weniger verdiente Friedenspreise, zum Beispiel der für den Nordvietnamesen Le Duc Tho; hernach eroberten Ho Chi Minhs Armeen Südvietnam. Oder für Jassir Arafat, der bis zu seinem Tod nicht vom Terrorkrieg gegen Israel lassen konnte. Dagegen ist die IAEO eine höchst nützliche Institution. Sie kann zwar die AtomwaffenVerbreitung nicht verhindern, überwacht aber die Anlagen der Möchtegernbombenbauer so gut es eben geht. Auf diese Weise weiß der Rest der Welt wenigstens, wo die Warnlampen aufblinken. Die IAEO ist einer der effizientesten (und am wenigsten korrupten) Unterorganisationen der UN. Eine recht gute Wahl.

Am 15. Oktober stimmt der Irak über die Verfassung ab. Grund für Optimismus?

Ja, und auch, weil die Herren Kurden und Schiiten dem Druck der USA und der UN nachgegeben haben, das Referendum nicht zum Witz verkommen zu lassen. Der Witz war: Die Verfassung ist angenommen, wenn zwei Drittel nicht gegen sie stimmen. Jetzt läuft es richtigerweise andersherum: Zwei Drittel müssen Ja sagen. Wenn sie durchkommt (vorher werden noch viele Iraker den Terrortod sterben) wird das ebenso viel Anlass für Optimismus sein wie die hohe Wahlbeteiligung Anfang des Jahres.

Erneut befasst sich die hohe Diplomatie mit der Zukunft des Kosovo. Wann wird diese Region endlich souverän?

Richtig souverän nie, ist doch der Kosovo ein integraler Bestandteil Serbiens. Und deshalb werden Nato- und EU-Truppen noch sehr lange in diesem Mini-Land bleiben. Merke: „Ethnische Säuberung“ ist keine Erfindung der Serben, sondern immer das Instrument der jeweils Stärkeren, in diesem Falle der Albanier. Also muss die serbische Minderheit beschützt werden. Aber es gibt viele kreative Möglichkeiten, um dem Kosovo ein Höchstmaß an Autonomie zu verleihen, ohne die Sezession zu befördern.

Ein Wort zu Amerika …

Hier braut sich für Bush Übles unter dem Namen „Harriet“ zusammen. Die ist kein Wirbelsturm, sondern seine Kandidatin (namens Miers) für den Supreme Court – mithin für eines der mächtigsten Ämter Amerikas. (Wie in Deutschland landen auch hier alle Streitfragen, an die sich die Legislative nicht herantraut, im Obersten Gericht.) Selbst die Neocon-Rechte rottet sich gegen Miers zusammen, weil sie unter den 1 084 504 Juristen Amerikas offenbar nur eines auszeichnet: ihr enges Verhältnis zu W., dessen Anwältin sie ist. Die Sache stinkt nach Nepotismus, und deshalb sind auch die rechten Republikaner sauer auf W., der womöglich einer gefährlichen Fehlkalkulation aufgesessen ist.

Der Autor ist Herausgeber der „Zeit“ und lehrt bis Jahresende an der Stanford University. Fragen: mal

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