Politik : Was macht die Welt?

Schröders Ei in Merkels Kabinett und Bushs Einsatz für Afrika

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FrankWalter Steinmeier, bisher Kanzleramtschef, wird neuer deutscher Außenminister. Hat Gerhard Schröder seiner Nachfolgerin ein Ei ins Nest gelegt?

Sie lässt sich keine Eier ins Nest legen; sie beherrscht das Geschäft mit der Macht – siehe die vielen Rivalen von Kohl bis Merz, die sie beiseite geräumt hat. Steinmeier war zwar ein Intimus von Schröder, ist aber vom Charakter her kein Rasputin, auch kein Talleyrand, der die eigenen Interessen über die seiner Regierung und seines Landes stellen würde. Überdies hat noch jeder Kanzler von Adenauer bis Schröder die „Große Politik“ im Kanzleramt verankert und so den Geschäftsbereich des Chefdiplomaten schwer beschnitten. Ausnahme: die Große Koalition von 1966–1969, wo der SPD-Außenminister Willy Brandt ziemlich freie Fahrt mit seiner neuen Ostpolitik hatte. Frank S. aber ist kein Willy B.

Harold Pinter bekommt den Literaturnobelpreis. Laut Statut sollen die Preisträger zum Wohle der Menschheit beigetragen haben. Er selbst fordert die Freilassung des serbischen Diktators Slobodan Milosevic. Wie passt das zusammen?

Pinter hat überhaupt merkwürdige Meinungen zur Politik. Aber das trifft für viele Dichter und Denker, auch deutsche, zu, die ihren Ruhm dazu nutzen, Aufmerksamkeit anderswo zu ergattern. Die literarische Sensibilität schärft nicht unbedingt das analytische Denken. Ein anderes Beispiel: Noam Chomsky ist der größte Linguist aller Zeiten, aber ein politischer Wirrkopf. Pinters Nobelpreis ist ein politisch korrekter. Trotzdem: Er hat brillante Theaterstücke und Filmdrehbücher geschrieben. Die wollen wir ehren. Seine politischen Ansichten sind ein anderes – und weites – Feld.

In Kaschmir bebte die Erde. Schweißt die Not die Erzrivalen zusammen?

Das wäre schön, aber Kaschmir ist bloß Teil eines viel größeren Konfliktes, den der militante Islam mit anderen Religionen, in diesem Fall dem Hinduismus, ausficht – wie anderswo mit dem Juden- und Christentum. Ein Erdbeben, so mörderisch auch dieses gewesen ist, wird die Feinde nicht in eitel Freundschaft zusammenführen, leider.

Ein Wort zu Amerika …

George Bush hat der EU eine mutige Offerte gemacht: Er will 60 Prozent der US-Agrarsubventionen (20 Milliarden Dollar) streichen, wenn die EU vier Fünftel der eigenen kappt, die Washington mit 75 Milliarden Dollar beziffert. Zudem will Bush Agrarzölle reduzieren, was der Dritten Welt zugute käme. Das ist ein umso mutigerer Schritt, als Bush innenpolitisch nicht gerade gut da steht und die US-Subventionen hauptsächlich an große Agrarunternehmen, die eigene Klientel, gehen. Ein schöner Traum. Doch sollte die EU dieses Angebot nicht beiseite wischen. Möge das Feilschen beginnen – zum Wohle der Konsumenten und der armen Agrarländer.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit und lehrt bis Jahresende an der Stanford University. Fragen: mal/clw

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