Politik : Was macht die Welt?

Warum „Wilmas“ weiter wüten und Assad nicht stürzt

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Erst „Katrina“, jetzt „Wilma“: Schon wieder bedroht ein verheerender Hurrikan die USA. Wann wachen die Amerikaner klimapolitisch endlich auf?

Das ist eine Frage wie: „Wann werden Sie aufhören, Ihre Frau zu schlagen?“ Jede Antwort, egal, wie sie ausfällt, enthält ein Schuldbekenntnis. Diese Frage ist ein Musterbeispiel magischen Denkens: Die Wirbelstürme, die über den Südosten der USA herfallen, müssen eine Art göttliche Strafe sein. Aber so wurden schon die armen Indianer bestraft, ist doch der Golf von Mexiko eine uralte Hexenküche tropischer Wirbelstürme. Heute bedroht „Wilma“ die Florida Keys, 1935 hat ihr Vorgänger, der stärkste je gemessene, just dort 500 Leute umgebracht. Die meisten Todesopfer (12 000) forderte der Sturm von Galveston im Jahre 1900 – und damals war Kyoto nur der Name einer Stadt. Ansonsten verhalten sich die Amerikaner wie die Europäer: je teurer die Energie, desto geringer der Verbrauch. Der Markt funktioniert überall besser als der moralische Appell – erst recht, wenn sich der Benzinpreis über Nacht verdoppelt.

Der Prozess gegen Saddam Hussein hat begonnen. Wie viel Gerechtigkeit ist von einer Siegerjustiz zu erwarten?

Schon wieder eine Suggestivfrage. Es sitzen nicht die Amis über Saddam zu Gericht, sondern die Iraker. (Es wäre besser, die Deutschen hätten in Nürnberg selber ihre Kriegsverbrecher abgeurteilt, statt das den Alliierten zu überlassen.) Saddam genießt tausend mal mehr Rechte, als er sie je seinen Opfern zugestanden hat. Dieser Prozess ist deshalb so wichtig, weil er den Irakern zum ersten Mal seit Harun al-Raschid zeigt, wie ein Rechtsstaat funktioniert.

Der UN-Bericht von Detlev Mehlis belastet das syrische Regime. Wann stürzt Baschar al Assad?

Seit wann stürzen arabische Diktatoren, weil ein Deutscher sie im Namen der UN der Mordanstiftung bezichtigt? Jedermann wusste, dass der Mord an Hariri die syrische Unterschrift trug. Das war auch der Sinn der Sache: Seht her, so ergeht es allen, die es mit der Unabhängigkeit zu weit treiben. „WmdW“ glaubt nicht einmal, dass es zu Sanktionen kommt. Die Amerikaner brauchen Baschars Kooperation im Irak, zumal bei der Schließung seiner Grenze gegen einsickernde Dschihadisten.

Ein Wort zu Amerika …

Hier fragen sich selbst W.’s Freunde, ob sein Realitätsgefühl noch funktioniert, wenn er eine Kandidatin wie Harriet Miers für den Supreme Court, also für eine der mächtigsten Positionen in den USA, vorschlägt. Der Senatsausschuss hat sie gebeten, den Fragenkatalog, den sie daheim ausfüllen durfte, noch einmal neu zu beantworten, weil er nur Platitüden enthielt. Das war wie eine Fünf für die Hausarbeit – ein Kopfschütteln quer durch beide Parteien.

Der Autor ist Herausgeber der „Zeit“ und lehrt bis Jahresende an der Stanford-University. Fragen: mal

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