Politik : Was macht die Welt?

Angebliche CIA-Lager in Osteuropa und ein Deutschland, das beruhigt

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Der CIA soll in Osteuropa illegale Gefangenenlager eingerichtet haben, was die EU alarmiert. Nun sagt die Kommission, sie habe keine Hinweise. Was ist hier los?

In die Welt gesetzt wurde die Geschichte von „Human Rights Watch“, einer Organisation, die schon manchmal aus einer nichtvorhandenen Mücke einen Elefanten gemacht hat. Es ist gut, dass es solche NGOs gibt, aber wer kontrolliert die Kontrolleure? Vielleicht sollten die Medien (vorweg die AP) genauer hinschauen, bevor sie Staaten wie Polen und Rumänien inkriminieren. Beide haben die Berichte dementiert. Die Beweislast liegt bei „Human Rights Watch“. Wenn es aber doch stimmt, wären die Lager eine Idiotie sondergleichen.

Wenn man vom Ausland auf Deutschland schaut, kann man zumindest nicht mehr behaupten, deutsche Politik sei langweilig. Macht uns das sympathischer?

Langweilig ist sie schon, weil das Muster ein sehr kleingestricktes ist. Es erinnert an die „Keystone-Kops“-Stummfilme der 20er, wo die Polizisten immer mit anderen Autos oder mit sich selber kollidieren und nie ankommen. Der Humor-Level ist etwa der gleiche. Sympathisch, nein, aber beruhigend, denn ein Teil der Welt glaubt immer noch, dass die Heute-Deutschen Erben der Wilhelminiker und Adolfisten sind. Soviel Inkompetenz – praktisch hat Deutschland seit Mai keine Regierung mehr – wirkt beruhigend. Vor diesen Deutschen muss man keine Angst mehr haben.

Weltweit steigt der Energiebedarf drastisch. Öl und Kohle tragen zur globalen Erderwärmung bei. Müssen wir eine Renaissance der Kernenergie befürchten?

Was heißt „befürchten“? Wir leben neben einem Land, Frankreich, das 30 Prozent seines Energiebedarfs atomar erzeugt. Und leben immer noch. Finnland baut gerade ein neues KKW. Seit Tschernobyl sind KKWs um ein Vielfaches sicherer geworden, und selbst die Amis, die in dieser Frage noch nervöser sind als die Deutschen, denken wieder über neue Kernkraftwerke nach. Das Leben besteht aus der Streuung von Risiken, und wer das Risiko fossiler Brennstoffe (die meistens den falschen Leuten gehören) mindern will, wird auch ins Atomare investieren müssen.

Ein Wort zu Amerika …

Die derzeit interessanteste Story hat mit den „Pressbengeln“ (Bismarck) zu tun. Da fallen die Kolumnisten der Bush-feindlichen New York Times über die eigene Reporterin Judith Miller her, die gerade aus dem Knast gekommen ist, weil sie nicht verraten wollte, wer ihr angebliche Staatsgeheimnisse zugesteckt hatte. Eine treibende Rolle in dieser Macbeth-Geschichte spielt der Verleger Sulzberger, der im Hintergrund die politischen Strippen zieht, statt sich um die Bilanzen zu kümmern. Die Moral: Zeitungen sollten News reportieren und analysieren, nicht produzieren.

Der Autor ist Herausgeber der „Zeit“ und lehrt bis Jahresende an der Stanford University. Fragen: mal/clw

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