Politik : Was macht die Welt?

Sich eine Kanzlerin wünschen, die Putin nicht duzt und Chodorkowski hilft

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Russland bestraft die Ukraine mit drastisch erhöhten Gaspreisen für die Orange-Revolution, die nach einigem Zögern auch Berlin unterstützt hatte. Muss sich der frühere Kanzler und jetzige Gasprom-Mitarbeiter Schröder jetzt grämen, gar schämen?

Das mag er halten wie die Dachdecker. Nur möchte WmdW ab 2006 nie wieder Reden aus deutschem Munde hören, wonach Energie und Politik überhaupt nix miteinander zu tun hätten. Die Verfünffachung der Gaspreise (mit Putins Plazet) ist so „unpolitisch“ wie jede Erpressung, welche die Wahlen und das Wohlverhalten eines Nachbarlandes zu beeinflussen versucht. Schröder sollte seinem Freund Putin ernsthaft ins Gewissen reden und dann einen Posten bei E.on annehmen. Die kennen sich mit Preiserhöhungen für Energie schon aus.

Erst wurde Susanne Osthoff entführt, dann Jürgen Chrobog. Können Deutsche überhaupt noch irgendwohin reisen?

Nur noch nach Bayern, Österreich, in die Schweiz oder andere Teile des deutschsprachigen Auslandes. Spätestens ab Griechenland ist Schluss – wg. des gefährlich schlechten Essens. Ab Türkei beginnt Terrorland – bis hin zum Hindukusch (plus Ägypten und Nordafrika). Indien? Wegen Verdauungskanalproblemen nicht anzuraten. China? Zu viel Benzol in den Flüssen und Kaufrausch (Nikes für 3,95) in den Städten. Ab Thailand dräuen Tsunamis. Bali? Terror. Sicher wird es erst wieder in Australien, aber die sind mindestens 28 Stunden weg von Berlin-Mitte. Gut sind noch England und Skandinavien, aber in London sollte man die U-Bahn, im Wikingerland den Schnaps meiden – ist in D viel billiger.

Ihr größter außenpolitischer Wunsch fürs neue Jahr?

Also mindestens Weltfrieden. Wenn dann noch etwas übrig bleibt, dass man nicht mehr 6-8 Wochen für einen neuen Pass braucht. Dass man auch in der Schweiz und Schweden mit Euroletten bezahlen kann. Dass der iranische Präsident seinen Unterhaltungswert nicht verliert. Dass W. Putin und der deutsche Kanzler einander nicht mehr duzen. Dass die WM in D spurlos an uns vorübergeht, also weder nationalistische noch selbstbemitleidende Aufwallungen zeugt. Und dass kein Einfaltspinsel in Medien und Politik je wieder der WM einen konkjunkturaufhellenden Effekt zuschreibt.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik …

Da die Regierung Merkel wohltuenderweise keine weltpolitischen Ambitionen hegt und etwas mehr Distanz zu W. Putin pflegt, hier ein machbarer Vorschlag: Holen wir den wg. Unbotmäßigkeit nach Sibirien verschleppten Chodorkowski aus den Uranfeldern, wo er nicht lange überleben wird. Machen wir ein Stück Rechtsstaatlichkeit zum Maßstab gedeihlicher Beziehungen zu Moskau. Das ist keine Gefühlsduselei, sondern beinhartes deutsches Interesse.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: clw

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