Politik : Was macht die Welt?

An Dogmen rütteln und zerschlagenes Porzellan wieder zusammensetzen

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Wer ist wichtiger für unser Image im Ausland – Angela Merkel oder Franz Beckenbauer?

Eine ziemlich einfache Frage: Angela Merkel natürlich. Die steht nämlich einem Unternehmen vor, das einige Unarten des vorigen Vorstands abgeschüttelt hat, den vorsichtigen Aufschwung probt und auf dem internationalen Rasen, äh, Parkett eine ziemlich gute Figur macht. Beckenbauer steht dagegen für den deutschen Fußball, dem man keine Erfolgssträhne nachsagen kann. Die Nationalmannschaft braucht dasselbe Rezept wie die Deutschland AG: längere Arbeitszeiten, Umstrukturierung, mehr Leistungswillen, Investition in Bildung, also Training, vor allem die Erkenntnis, dass der einst so erfolgreiche deutsche Fußball in der Krise steckt, jedenfalls der nationalmannschaftliche. Außerdem: Merkel würde die Deutschland AG nie von Kalifornien aus zu regieren versuchen.

Der polnische Präsident Lech Kaczynski hat in Berlin die EU und die Homo-Ehe kritisiert. War der Antrittsbesuch ein Debakel?

Wenn alles, was ein Gastgeber als unangenehm empfinden könnte, ein Debakel ist, dann dürfen Staatsgäste fürderhin nur noch blässliche Artigkeiten von sich geben. Manchmal ist es nützlich, wenn einer in den Fettnapf tappt, also an Dogmen rüttelt. „WmdW“ findet es nachdenkenswert, was der Präsident zur EU-Verfassung gesagt hat: lieber neu konzipieren, um so die Völker zu überzeugen, als zu glauben, dass man bei der nächsten Referendumsrunde an einer weiteren Niederlage vorbeikommt.

Im US-Verteidigungsministerium werden Pläne für einen Bürgerkrieg im Irak beraten. War die Invasion ein Fehler?

Die planen doch keinen Bürgerkrieg im Pentagon, oder? Doch eher, wie sich die USA in einem solchen verhalten sollten, was eine kluge Vorsichtsmaßnahme wäre. Die Invasion war kein militärischer Fehler, sonst hätten die Amerikaner nicht so schnell gesiegt. Der Fehler war die Vorstellung, dass man bloß einmarschieren müsse, dann irgendwelchen Anti-Saddam-Kräften die Macht übergeben und wieder nach Hause gehen könnte. Dabei hätten sich Planer bloß die kleinen Schilder vor Augen halten müssen, die in amerikanischen Porzellanläden stehen: „If you break it, you own it“ – wenn du’s zerbricht, gehört es dir, trägst du also die Verantwortung.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik …

„WmdW“ weilt gerade in Amerika und findet hier nichts, aber auch gar nichts über die Verschwörung, welche gewisse deutschfeindliche Kräfte gegen die jetzige und vorige Bundesregierung in Sachen BND-Einsatz ausgeheckt hätten. „WmdW“ ist empört: Warum beschäftigen sich die Amis nicht mit uns? Indifferenz ist eine schlimmere Beleidigung als Interferenz, also Einmischung in unsere inneren Angelegenheiten.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mos.

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