Politik : Was macht die Welt?

Iran und USA wollen mehr reden, Deutschland will in den Kongo und Berlin zur Weltstadt werden

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In Europa macht sich zunehmend Protektionismus breit und in Frankreich protestieren Studenten selbst gegen moderate Öffnungen des Arbeitsmarktes. Können die Europäer so die Globalisierung bestehen?

Nein. Wenn wir hier in Europa die Schotten dicht machen, werden es auch die anderen tun, und wie sollen sich dann europäische Firmen im Ausland ausdehnen, um so wettbewerbsfähig im globalen Markt zu werden/bleiben? Das Perverse am Protektionismus ist doch, dass die Protektionisten sich ins eigene Fleisch (oder in das der Verbraucher) schneiden. Zum Beispiel: Wenn die Gaz de France in Abwehr eines italienischen Bieters die französische Suez übernimmt, wird ein gewaltiges Versorger-Monopol in Frankreich entstehen, und zwar auf Kosten der französischen Konsumenten. Ganz besonders töricht sind die Studenten, die in Frankreich gegen befristete Verträge wüten. Gerade solche würden das Risiko der Unternehmer mindern und so zur Mehreinstellung von jungen Leuten führen.

Irans Führung will direkt mit den USA über sein Atomprogramm verhandeln. Wäre es nicht wirklich an der Zeit, dass Washington die bisherige Taktik aufgibt, nur über Mittelsmänner mit Teheran zu sprechen?

Ganz so ist es nicht, weil die Mullahs nur über Irak, nicht aber über die Atombombe plaudern wollen. Außerdem haben die USA und Iran schon längst direkt geredet – aber nur über das Thema Afghanistan. Beauftragter soll Zalman Khalilzad sein, US-Botschafter in Bagdad und kein Unterling. Ansonsten ist das die beste Nahost-Nachricht seit Jahren, zumal – ganz kühl kalkuliert – die beiden Länder manche gemeinsamen Interessen teilen (gegen Russland, Taliban und Al Qaida). Aber freuen wir uns nicht zu früh: Revolutionäre Regime wie das in Teheran gehorchen selten nüchternen Interessen.

Der Großflughafen Schönefeld darf nun doch endlich gebaut werden. Wird Berlin jetzt eine echte Weltstadt?

So noch nicht, weil Schönefeld mit seinen Passagierzahlen (Berlin insgesamt: 17 Millionen) nicht gegen München (29) und Frankfurt (52) anstinken kann, die beide furios expandieren. Aber ein internationaler Flughafen mit viel Platz drumrum – siehe München – lockt Zehntausende von Jobs an. So wird Berlin wenigstens ein bisschen Geldstadt.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik …

Die findet derzeit im Kongo statt, derweil die action anderswo abläuft: Irak, Iran, China … Es ist Zeit, dass der Exportweltmeister etwas gegen den Protektionismus der französischen Freunde tut.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: clw

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