Politik : Was macht die Welt?

Druck, Entzug, Belohnung – sie sind das Wesen aller Außenpolitik

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Der amerikanische Präsident George W. Bush ist offenbar in heftiger Zuneigung zu Angela Merkel entbrannt. Muss sie aufpassen, damit das ihr Image zu Hause nicht belastet?

Die Frage beruht auf der Annahme, dass Bush/Amerika in Deutschland so verhasst sind, dass ein Kanzler um sein Amt bangen muss, wenn er/sie gute Beziehungen zu beiden unterhält. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Deutschland hat von Feindschaft zu Amerika nie profitiert (Wilhelm, Adolf). Es war mutwillig und töricht vom früheren Kanzler, Amerika als Gegner zu behandeln, derweil er so viel Hilfe im Irakkrieg leistete. Die jetzige Regierungschefin tut nichts anderes, als den verzogenen Rahmen deutscher Außenpolitik wieder gerade zu ziehen. Und das ist gut so.

Papst Benedikt hat sich in ungewöhnlich scharfer Form gegen Peking gewandt, weil die Kommunisten katholische Bischöfe gegen den Willen des Vatikans ernannt haben. Wie steht es um die Freiheit der Christen in der Welt?

Nein, die Frage ist: Wie steht es um die Macht der Kirche in manchen Teilen dieser Welt? Denken wir an den Investiturstreit zurück. Da ging es darum, wer dem Kaiser die Krone aufsetzt: dieser sich selber oder der Papst. WmdW is hier auf Seiten des Papstes, weil WmdW an der strikten Trennung zwischen Thron und Altar festhält. Also: Die Kirche setzt eigene Kardinäle ein, und die Partei eigene Apparatschiks.

US-Vizepräsident Dick Cheney hat Russland wegen seiner repressiven Innen- und osteuropäischen Außenpolitik scharf angegriffen. Soll das den Druck auf Moskau in der Iranfrage erhöhen?

Eine Großmacht geht nicht nach dem Prinzip vor: Wenn du nett bist, bin ich auch nett zu dir; und wenn du unfreundlich bist, bin ich erst recht nett zu dir, sonst könntest du ja noch gemeiner werden. Eine Großmacht signalisiert der anderen in diesem Fall: Du spielst keine konstruktive Rolle in der Weltpolitik. Du flirtest mit der Terrororganisation Hamas und Iran, außerdem schwingst du den Gasknüppel gegen Europa. Also werden wir dir deine wunden Punkte aufzeigen, die wir bislang höflichst übersehen haben.

Cheney prangerte denn auch „Erpressung und Einschüchterung“ an. Andererseits versprach er Respekt für Russland, wenn das Land wieder auf den „Pfad der Reformen“ zurückkehrt. Druck, Entzug und Belohnung sind das Wesen aller Außenpolitik. Appeasement is dagegen Politikverzicht.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik …

Angela Merkel hat bei ihrem US-Besuch wieder eine wunderbare Presse in Washington bekommen – zwar nicht in der „Washington Post“, die ihr nur ein paar Zeilen widmete, dafür aber im Washingtoner Establishment. Das zählt mehr.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: clw

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