Politik : Was macht die Welt?

Fantasie und Kraft verlieren und bärige Zuwanderer heimtückisch niederstrecken

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Deutschland hat gegen Argentinien gewonnen. Schnappt das Land nun über?

„WmdW“ möchte endlich wieder einmal Fußball als Fußball erleben und nicht als Sinnbild für etwas anderes, also für den Zustand der deutschen Wirtschaft/Politik/Seele. Nicht das „Wunder von Bern“ hat ab 1954 die Westdeutschen nach vorn gebracht, sondern ihr höchst reales „Wirtschaftswunder“. Den Titel ’06 zu erringen, wäre ebenfalls wunderbar. Bloß werden Ballack & Co. nicht die große Koalition nach Hause schicken, deren Fantasie und Kraft nur dazu reicht, die Schwachstellen mit noch mehr Steuern zu überkleistern. Es ist einfacher, „elf Freunde“ als ein ganzes Land zu mobilisieren.

Das Oberste Gericht der USA hat die Militärtribunale auf Guantanamo für illegal erklärt. Für Bush ein Ärgernis oder eine politische Katastrophe?

Weder noch, denn wer das Urteil genauer betrachtet, wird den Schlüsselsatz nicht übersehen, wonach das Gericht nicht das Recht der Regierung in Frage stellt, den Kläger Hamdan „bis zum Ende der aktiven Feindseligkeiten“ festzuhalten. Guantanamo wird also nicht verboten. Doch moniert das Gericht die Rechtsbrüche, die dem Angeklagten klassische Grundrechte unter dem US- wie auch dem Völkerrecht entziehen. Insofern ist das ein Sieg für die besten amerikanischen Traditionen – und somit auch für das Land selber.

An dem Tag, an dem viele Zeitungen vermelden, dass die Hamas Israel zumindest indirekt anerkennt, marschiert dessen Armee im Gazastreifen ein. Ist das Timing ein PR-Debakel?

Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Just zu der Zeit, da die Klügeren unter den Palästinensern den Israelis ein Olivenblättchen hinhalten, beschließt die Terrortruppe der Hamas, diese Initiative mit der Entführung eines Soldaten zu ersticken. Der Tunnel unter dem Zaun kann auch nicht die Antwort auf den vorgehenden israelischen Beschuss Gazas gewesen sein; dessen Bau dauerte viele Wochen. Fazit: Wie vernünftig sich die palästinensische Führung auch gibt, wird es immer andere geben, die ihr blutiges Veto einlegen.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik …

Noch ein Wort zu Bruno Bär, R.I.P., der im weitesten Sinn deutsche Außenpolitik war, weil er aus dem fremdartigen Österreich/Südtirol zu uns kam, um die deutsche Integrationsfähigkeit zu testen. Er war schnell, intelligent und erfindungsreich – genau das, was wir an der deutschen Nationalelf neuerdings so lieben. Dennoch wurde der „Schad- und Problembär“ (Stoiber) von bayerischen Häschern heimtückisch niedergestreckt. Dieser Bär von gar nicht geringem Verstand sollte fürderhin den Bundesadler als deutsches Wappentier ersetzen. Zumindest gehört er ins Pantheon der Petze – zwischen Puh-Bär und den ersten Plüschteddy (geb. 1902).

Der Autor ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mos.

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