Politik : Was macht die Welt?

Auf Gott und Teheran hören, die beiden Hs hassen und stöhnen und fächeln

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Kofi Annan verlangt eine Waffenruhe, Israel und die Hisbollah kämpfen weiter. Wie lässt sich der Krieg beenden?

Seit wann hört Hisbollah auf andere Stimmen als die von Gott und Teheran? Aber die Entscheidung liegt nicht mehr bei ihrem Führer Nasralla, nachdem er mit seinem Angriff so kläglich fehlkalkuliert hat. Diesen Krieg werden die Israelis beenden, wenn sie das Kriegspotential der Hisbollah so weit dezimiert haben, dass es keine strategische Bedrohung für die Zivilbevölkerung Nordisraels mehr ist. Hernach werden sie verhindern müssen, dass wieder Raketen aus Teheran und Damaskus in die Hände der Hisbollah gelangen. Das könnte zweierlei bedeuten. Entweder Israel legt die wichtigsten syrischen Flughäfen lahm, das Ende der iranischen Waffenpipeline. Oder es macht einen Deal mit dem Diktator von Damaskus, der ihn aus den Fängen der iranischen Hegemonialpolitik befreit.

Auf dem Außenministertreffen der Arabischen Liga haben Ägypten, Saudi-Arabien und Jordanien relativ scharf die Hisbollah kritisiert. Spaltet der Konflikt die arabische Welt?

Das Wörtchen Spaltung, das zwei etwa gleich große Teile suggeriert, ist nicht ganz richtig. Bis auf Irak mit seiner Schia-Vorherrschaft und Syrien, das in diesen Tagen ein taktisches Bündnis mit Hisbollah eingegangen ist, hassen sämtliche arabische Regime die beiden Hs: Hisbollah und Hamas. Beide waren immer Staat im Staat, zudem Verbündete des iranischen Erzfeindes. Jetzt drohen sie die Araber in einen größeren Konflikt zugunsten Irans zu ziehen. Das sind drei Minuspunkte zu viel.

Gerade erst war es den Libanesen gelungen, die Besatzungsmacht Syrien zu vertreiben. Was wird jetzt aus den Demokratiehoffnungen für das Land?

Na ja, „Vertreibung“ ist eine Übertreibung. Die Syrer und ihre Vasallen kontrollieren nach wie vor den libanesischen Sicherheitsapparat. Die Demokratie im Libanon war stets ein relatives Ding, eigentlich ein eifersüchtig-misstrauisches Nebeneinander von Sekten, Religionen und Volksstämmen. Wie weit es mit der Demokratie her war, zeigt sich daran, dass es der Hisbollah (Partei Gottes) gelingen konnte, Libanon gegen seinen Willen in einen Krieg zu ziehen, obwohl die H nur 25 der 128 Sitze im Parlament hält. im Übrigen sind die Kriege von H und H das Ende der Demokratie in Arabien. Wer wird jetzt noch solche Wahnsinnsgruppen an der Macht beteiligen wollen?

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik…

Bei 38 Grad im Schatten gibt’s keine Außenpolitik mehr, nur noch Stöhnen & Fächeln.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mal.

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