Politik : Was macht die Welt?

Warum Europa die höhere Moral hat und keine Truppen nach Nahost schickt

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Je länger der Krieg im Libanon dauert, desto lauter wird Israel vorgeworfen, ihn zu führen. Was hat die Dauer eines Krieges mit dessen Berechtigung zu tun?

Wenn die Westeuropäer, die seit Jahrzehnten in absoluter Sicherheit leben, überhaupt Krieg akzeptieren, dann muss er schnell und ohne eigene Opfer zur Entscheidung führen – so wie der Luftkrieg der Nato gegen Serbien, der sich ebenfalls gegen die zivile Infrastruktur richtete, weil die serbischen Truppen gut versteckt waren. Im Falle Israels aber gesteht Westeuropa den Israelis überhaupt keinen gerechten Krieg zu. Dass Israel ein Recht habe, die „Angriffe der Hisbollah auszuschalten“, verneinen 63 Prozent der Deutschen. 72 Prozent meinen, Israel dürfe nicht gegen Hisbollah-Positionen in Städten zurückschlagen, auch wenn israelische Städte beschossen werden. Das war am 18. Juli, als der Krieg gerade mal sechs Tage alt war. Dass die Israelis derlei Ratschläge ignorieren, zeigt, dass wir die höhere Moral haben.

Falls die UN eine internationale Sicherheitstruppe für den Libanon beschließen, sollte die Bundeswehr dann dabei sein?

Der Heuchelei-Quotient ist hier hoch. Ja, wir sind alle dafür, aber das ist wie bei den Lockangeboten der Telekom – auf die winzigen Fußnoten kommt es an. Verteidigungschef Jung will erst die „Voraussetzungen“ geklärt sehen. Chirac: Erst müsse Israels Sicherheit und die Entwaffnung der Hisbollah gewährt sein. Folglich könnte die Friedenstruppe erst einmarschieren, wenn Frieden gewährleistet ist. Wozu brauchen wir sie dann? Wenn die Truppe aber in Nahost gegen die beste Armee (Israel) und die zweitbeste (Hisbollah) bestehen soll, wird keiner auch nur einen Soldaten für sie bereitstellen.

George W. Bush hat Angela Merkel auf dem G-8-Gipfel in St. Petersburg kurz und kräftig die Schultern massiert. Was war das – Machismo?

Wenn WmdW jemandem – Männlein oder Weiblein – die Schultern massiert, dann will er damit höchste Zuneigung demonstrieren – so wie Menschenaffen sich gegenseitig die Flöhe aus dem Fell ziehen, um einander Gutes zu tun. Das ist bei uns wie bei denen genetisch programmiert und hat nix mit Machtgebärden zu tun. Allerdings sollten es Präsidenten und Potentate beim Küsschen belassen – höchstens drei, wie bei den Arabern.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik …

Die wirbt derzeit für eine internationale Libanon-Truppe, sollte sich aber an das altgriechische Wort erinnern: „Wen die Götter bestrafen wollen, dem erfüllen sie seine Wünsche.“ Gut, dass dabei noch der Realismus regiert, wenn Steinmeier als Bedingung fordert, die libanesische Regierung müsse erst selber für Sicherheit sorgen. Da sie das seit 30 Jahren, dem Beginn des Bügerkrieges, nicht kann, kann es logischerweise keine deutsche Beteiligung geben – oder?

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

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