Politik : Was macht die Welt?

Nicht mehr an der Aktenlage entlanghangeln und Zuckerbrot ausbreiten

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Israels Premier wünscht sich deutsche Soldaten auch an Israels Grenze. Kann Berlin sich dem verweigern?

Hat das Olmert wirklich so klar gesagt? Aber egal, eine Beteiligung an einer echten Kampftruppe wäre etwas ganz Neues. Bislang hat D nach dem Prinzip gearbeitet: „Dabei sein ist alles“ – im wahrsten Sinne des Wortes „alles“ als „mehr nicht“. Bosnien, Mazedonien, Kongo, selbst Kundus sind keine Kampfaufträge. Dort kann friedenspolitische Tugend ohne großes Risiko gezeigt werden. Libanon wäre kein simulierter, sondern potenziell ein echter Krieg – gegen die beste (Israel) und zweitbeste Armee (Hisbollah) des Nahen Ostens. WmdW würde dort nur tautologisch arbeiten: den Frieden nur gewährleisten, wenn der Frieden schon gewährleistet ist.

Joschka Fischer schreibt Nahost-Kommentare und reist durch die Region. Sucht er nach einer neuen politischen Aufgabe?

Und wenn schon. Joschkas Meinungsstücke sind um ein Vielfaches mehr temperamentvoll und weniger wolkig als zu den Zeiten, da er Textbausteine des Außenamtes zu Markte tragen musste („Müller, immer an der Aktenlage entlanghangeln.“ – „Jawoll, Chef, in der Rede steht garantiert nix Neues.“) Bei der Privatdiplomatie, wie gerade in Iran, wird es komplizierter. WmdW denkt da an Jimmy Carter, der zugunsten des eigenen Ruhms den Feinden seines Landes immer weiter entgegengekommen ist, als es Washington gekonnt hätte. Keine Sorge, Joschka wird die Mullahs mit der Wucht seiner Vorträge niederschlagen und so jede gewünschte Konzession herauspressen.

Die Ära Castro scheint ihrem Ende entgegenzugehen. Was wird jetzt aus Kuba?

Erst mal nix, weil Bruder Raul, 75, der Verteidigungs- und Geheimdienstchef, die bürokratischen Instinkte eines Leonid Breschnew und die Killerinstinkte eines Che Guevara hat (ja, liebe Che-Romantiker, Che war ein totalitärer Mordbube, der gern einen Atomkrieg zwischen der UdSSR und den USA angezettelt hätte). Diktaturen sollten wie BMW eine Altersgrenze haben. Spätestens mit 70 muss der Mann ins Pensionsparadies seiner Wahl: Nordkorea, Zimbabwe, Iran oder Syrien.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik …

Steinmeier will Syrien von Iran spalten. Eine feine Idee, aber nicht so, dass man zuvor alles in der Presse breittritt: erst (sehr „vertraulich“) Emissäre aus regierungsnahen Think Tanks losschicken und dann (noch cleverer) tonnenweise Zuckerbrot vor den Syrern ausbreiten, bevor das Gespräch überhaupt begonnen hat. Selbst Karl May („Im Lande des Mahdi“) hätte es schlauer eingefädelt. Merke: Wer im Basar als Erster das Angebot auf den Tisch legt, hat schon verloren.

Der Autor ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: clw.

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