Politik : Was macht die Welt?

Tapfer, aber konfus: die Deutschen und die UN-Friedenstruppe

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Zwei Libanesen haben die Terrorgefahr nach Deutschland gebracht. Wären wir sicherer, wenn wir uns mehr von Israel distanzieren würden?

Schlimm wär’s, obwohl die Idee, wonach Israel der Hauptschuldige an allen Pathologien des Nahen Ostens sei, in vielen Köpfen herumgeistert. Nehmen wir an, Israel würde von der Landkarte „ausradiert“, wie es sich Mahmud Ahmadinedschad und Millionen Muslime wünschen. Würde das irgendetwas ändern am Theo-Totalitarismus und Expansionismus des Teheraner Regimes? Oder an Unterentwicklung, Frauenunterdrückung und Bildungsmanko der arabischen Welt? Oder am Wahn des Extrem-Islams, der Westen sei Satan, der besiegt werden müsse? Die zwei mutmaßlichen Bombenleger wollten für ihren Gott bomben, nicht für eine Zwei- Staaten-Lösung.

Israels Regierung steht innenpolitisch unter massivem Druck, Hisbollah-Chef Nasrallah wird vom „Economist“ zum Sieger erklärt. War dieser Krieg ein Fehler?

So, wie er ausgeführt wurde, wahrscheinlich ja, weil die Israelis ihr politisches Ziel nicht erreicht haben: die Entwaffnung und Vertreibung der Hisbollah. Jetzt beginnt das Fingerzeigen und Köpferollen in Israel, und das ist gut so, weil die Israelis auch taktisch so viele Fehler gemacht haben. Ihre Bodentruppen waren schlecht geführt und ausgerüstet; im Friedensland Deutschland kann jeder Verteidigungsminister werden, in einem existenzbedrohten Land muss man schon etwas vom Krieg verstehen. Nur: Nach dieser wütenden Reaktion werden auch Hisbollah und Mäzene ernüchtert sein und Israel nicht mehr so leichtfertig provozieren.

Bisher verschanzte sich die Hisbollah hinter libanesischen Zivilisten, bald kommen mehrere tausend UN-Soldaten und reguläre libanesische Truppen hinzu. Entwaffnen werden sie die Hisbollah nicht. Kann daraus Frieden erwachsen?

Siehe den letzten Satz der vorigen Antwort. Nasrallah und Freunde wissen jetzt, dass die Israelis noch eine Rechnung mit ihnen offen haben; also werden sie vorsichtiger sein, zumal die Israelis – eine Demokratie – schnelle Lerner sind. Ob die Friedenstruppe Wirkung zeigt, hängt von ihrem Mandat und ihrer Kampfbereitschaft ab, sowie vom Tempo der Wiederaufrüstung der Hisbollah. Zitieren wir den „Economist“ noch einmal: „Schwarz ist die Zukunft des Nahen Ostens“, lautet der Schlusssatz.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik ...

Ein Wort? „Tapfer.“ Noch zwei? „Aber konfus.“ Die Vielzahl der Stimmen (auch in einer Person, wie bei Stoiber, der mal gegen, mal für einen deutschen Beitrag zur Libanon-Truppe ist) ehrt jede Demokratie, zumal es in Frankreich und Italien nicht anders ist. Aber wer wie die Europäer ein strategischer Player sein will, muss wenigstens im Konzert spielen, wenn’s solo nicht geht.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mal

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