Politik : Was macht die Welt?

Wer „Kunduz“ und „Kongo“ sagt, muss auch „Kampfauftrag“ sagen

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Demnächst zieht die Bundeswehr im Rahmen einer großen UN-Mission gen Libanon, die ersten Bundespolizisten sind bereits vor Ort. Wird ihre Präsenz die Hisbollah beeindrucken?

Nicht, wenn Beirut seine Sieben-Meilen-Forderung durchsetzt. Diese ließe einen Zwölf-Kilometer-Streifen entlang der Küste offen, nach dem Motto: Freie Fahrt für freie Hisbollahi. Die Sache ist deshalb so kritisch, weil auf dem Seeweg nicht Kleinmaterial und Putzzeug herangeschafft würden, sondern die weiterreichenden Raketen, die nicht durch die versteckten Bergstraßen im Osten passen. Die Schmuggler würden den deutschen Marineros freundlich zuwinken, derweil diese wie angekettete Schäferhunde frustriert bellten. Man würde der Bundesmarine die Fahrt ja gönnen, aber Manöver in der Ostsee wären doch etwas billiger.

Großbritanniens Premier Tony Blair hat seinen Rücktritt angekündigt. Was bleibt vom „Dritten Weg“?

Das ist die älteste Geschichte der Welt. Großpolitiker, siehe Adenauer nach 1959, verpassen gern den Moment, in dem sie auf dem Höhepunkt ihres Ruhms in die Geschichtsbücher überwechseln. Die Überzeugung ihrer Unverzichtbarkeit macht sie dann zu leichten Beute für die Meute ihrer Rivalen und Feinde (die man in einem langen Politikerleben ansammelt wie ein Schiffsrumpf die Mollusken). Nur einer ist jüngst zu früh abgesprungen. Hätte Gerhard „Bundesgerd“ Schröder nach der NRW-Wahl letztes Jahr die Nerven bewahrt, hätte er in diesem Herbst konjunkturüberstrahlt in den Wahlkampf ziehen können.

Die Sicherheitslage in Afghanistan verschärft sich täglich. Muss die Bundeswehr als Teil der Nato-Streitmacht auch im umkämpften Süden Flagge zeigen?

Wer „Kunduz“ oder „Kongo“ sagt, muss auch „Kampfauftrag“ sagen. Alle Beteiligungen an Friedenstruppen werden gern als eine Art Auslandsaufenthalt mit Tarnanzug verkauft. Aber das setzt just den Frieden voraus, der leider nicht existiert. Beim nächsten Mal bitte etwas mehr Ehrlichkeit vor dem Reingehen.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik...

Die hat vergangene Woche keine gute Figur gemacht. Sie flatterte wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen durch das Regierungsviertel – als willenloser Spielball libanesischer Innenpolitik. Andersherum hätte Berlin sich mehr Respekt verschafft – durch Ergreifen der Initiative. Etwa so: Wir wollen unseren Beitrag zur Stabilisierung von Nahost leisten, aber hier sind unsere Bedingungen: ein „robustes“ Mandat, keine operationellen Auflagen, die unsere Aufgabe (Stopp dem Waffenschmuggel) behindern, eine klare Befehlskette, deren Anfang in der Hand des deutschen Verbandsführers liegt. Wenn nicht, liebe Libanesen, wendet euch an die Israelis. Dann entspannt zurücklehnen.

Der Autor ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mal.

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