Politik : Was macht die Welt?

Abendländische Triumphe feiern und Neues von Watergate-Woodward lesen

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Jetzt will die Deutsche Oper Mozarts „Idomeneo“ doch wieder aufführen. Ein Punktsieg für das Abendland?

Mag sein. Doch „WmdW“ findet das Triumphgeheul der Abendländler überhaupt nicht korrekt und plädiert vielmehr dafür, auch andere Opern auf den Index zu setzen. „Entführung aus dem Serail“ zeigt fehlenden Respekt für die sexuellen Praktiken von (mächtigen) Muslimen, nämlich die Haremskultur. Aber hier nicht aufhören. Bizets „Carmen“ wirft ein feindseliges Licht auf eine Zigeunerin, die allerlei Tragödien anzettelt. „Aida“? Irgendwie sehr eurozentrisch. „Der Freischütz“ lästert wider den Gottseibeiuns, was die Teufelsanbeter unter uns verletzt. Selbst so eine „harmlose“ Oper wie „Die Zauberflöte“ kann dazu führen, sich über Freimaurer und deren komische Rituale lustig zu machen. Und erst der „Ring“ – macht irgendwie die Germanen beziehungsweise die Burgunder als gewalttätiges Pack nieder. Nächste Woche beschäftigen wir uns mit der sogenannten Weltliteratur, angefangen mit Joseph Conrads „Herz der Finsternis“ und Mark Twains „Huckleberry Finn“, wo von „Niggern“ und dergleichen die Rede ist.

Der Bundestag hat den Afghanistan-Einsatz um ein Jahr verlängert. Reicht das?

Wie viele solcher Einsätze gibt es, die erfolgreich abgeschlossen werden konnten? Die Unifil im Libanon besteht seit 1978. Bosnien und Kosovo – redet da etwa jemand von Abzug? Alle Friedenstruppen leiden am selben Problem. Da sie nicht die Konflikte lösen, sondern nur zudeckeln, müssen sie so lange bleiben, wie es unter dem Deckel köchelt. Das kann „forever“ heißen – oder auf Lateinisch „sine die“.

Indien, Gastland der Buchmesse, wird als die demokratische Weltmacht der Zukunft gepriesen. Gibt es Schattenseiten?

Ja, die schier grenzenlose Armut und Rückständigkeit jenseits der etwa 200 Millionen, die gut ausgebildet und in die Weltwirtschaft eingebunden sind, direkt oder indirekt. Zweitens: ein schier unlösbarer Konflikt zwischen Muslimen und Hindus innerhalb des Landes. Drittens: dessen äußere Entsprechung im Dauer-Duell Pakistan-Indien. Eine Nation, die mit so vielen Problemen kämpfen muss, kann keine Ordnungsmacht sein. Dass es trotzdem eine Demokratie bleibt, ist bewundernswert.

Ein Wort zu Amerika ...

Bob Woodward, einer der beiden Watergate-Aufdecker, hat schon wieder zugeschlagen, mit seinem neuen Buch State of Denial (etwa: „Im Zustand der Verleugnung“), in dem er den Bushisten nachzuweisen versucht, sie hätten alle Warnungen aus den eigenen Reihen zum Nachkriegs-Irak in den Wind geschlagen. Wie immer hat er in dem Buch reichlich Zitate von Insidern versammelt. Erstes Fazit: Die Regierung Bush beginnt zu zerfasern – und das zwei Jahre vor Ablauf der Amtszeit.

Josef Joffe, Herausgeber der „Zeit“, lehrt in diesem Herbst in Stanford.

Fragen: SB

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